Empfehlung des Tages: KABEAUSHÉ – CLAMS ARE JUST SHELLS
Wenn man über Kabochi Gitau alias KABEAUSHÉ spricht, kommt man an Großbuchstaben nicht vorbei. Das ist in diesem Fall kein bloßes Stilmittel, sondern die visuelle Entsprechung eines Künstlers, der selten schüchtern auftritt. Da ist es wenig verwunderlich dass auch das dritte Album des Musikers aus Nairobi mit dem gewaltigen Titel „IGGY SWAGGERING UNGRATEFUL INCESSANT LITTLE PEEEAAAAAAAA“ bestückt ist. Mittendrin funkelt der Track „CLAMS ARE JUST SHELLS“ als perfektes Beispiel für Gitaus kreativen Output. Denn in Kabeaushés Welt verschwimmen die Grenzen zwischen französischer Barockmusik, militärischen Marschrhythmen und cineastischen Soundflächen. Inspirationsquellen wie Tyler, The Creator, Prince oder Bollywood schlagen sich in der Progressivität, Androgynität und der Opulenz des Wahlberliners nieder.
KABEAUSHÉ: Hyperaktivität trifft Genialität
In „CLAMS ARE JUST SHELLS“ manifestiert sich Kabochis Vision in einer Mischung aus kreischenden E-Gitarren und treibenden Drums. Kabeaushés Stimmgewalt zeigt sich in rasantem Sprechgesang, unterlegt von dramatischen Streichern und flirrenden Synthesizern. Textlich schwingt eine düstere Vorahnung und ein mahnendes Mantra gegen den Hochmut mit: „Don’t get a big ego, they might slit your throat.“ Es geht also – sehr zeitgemäß – um die Fragilität von Machtpositionen und die Gefahr, die von der Masse ausgehen kann. In einer begleitenden Videoreihe über das fiktive „Great Doerf Kingdom“ und seinen Anführer Iggy vertieft Kabeaushé dies auch visuell.
Der Avantgarde-Künstler wird von der Initiative Musik gefördert und schafft mit diesem Release ein popkulturelles Oeuvre. Kabochi ist für seine exzentrischen, dramatischen Live-Auftritte bekannt, die weit über ein Konzert hinausgehen. Wer Kabeaushés audiovisuelle SPEKTAKEL jetzt einmal leibhaftig erleben möchte, hat dazu auf seiner kommenden Deutschlandtour die Gelegenheit.
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