Empfehlung des Tages: Kaufmann Frust – Irre Fahrten
Warum stehenbleiben, wenn es immer mehr zu entdecken gibt? Das scheinen sich Kaufmann Frust auf „Irre Fahrten“ sowohl inhaltlich als auch musikalisch gedacht zu haben. Bisher waren sie eher für stoischen Post-Punk bekannt; mit der zweiten Single aus ihrem kommenden Album „Im Blau“ verleihen sie nun ihrem Sound, im zehnten Jahr als Band, einen neuen Anstrich.
„Irre Fahrten“ war einer der ersten Songs, die für das neue Album entstanden, und inspirierte mit den neuen Sounds das Wagen von noch mehr Experimenten auf der Platte. Denn obwohl man die Post-Punk-Wurzeln immer noch entdecken kann, ist der Song vor allem durch New-Wave-Synthesizer geprägt. In den Gitarren zeigt sich wiederum deutlich der Indie-Rock-Sound, insbesondere, wenn es zum schroffen Solo am Ende kommt.
Musikalische Fata Morgana
Wie der Titel andeutet, setzt sich der Text mit Reisen auseinander, allerdings metaphorisch gesehen: Es geht um die Suche und das Verfolgen von Träumen, die sich beim Näherkommen in Nichts auflösen. Weit entfernte Ziele, die dadurch immer gleich weit weg bleiben. Egal, wie verbissen und waghalsig wir uns bemühen, auf welche „irre[n] Fahrten“ wir uns begeben, am Ende sind wir doch nur im Kreis gefahren. Und auch musikalisch wird das umgesetzt: Obwohl der Song durch einen Tonartwechsel mit der Zeit immer hoffnungsvoller klingt, als würde man dem Ziel näherkommen, endet er zum Schluss doch wieder genau dort, wo er begonnen hat. Und in diesem letzten Ton hallt die Resignation dadurch umso stärker nach.
Diese Orientierungslosigkeit ist auch im Albumtitel reflektiert: „Im Blau“ ist ein Verweis auf die blaue Stunde zwischen Tag und Nacht. Ein Schwebezustand zwischen Nostalgie und ungewisser Zukunft. Und auch sonst setzt sich das Album auf verschiedene Weisen mit der Farbe auseinander: Das Gefühl der inneren Kälte und das Sich-Verlieren im blauen Licht digitaler Medien. Wie sich das dann in der Musik widerspiegelt, kann man ab dem 21. April hören – es sind also nicht alle Ziele unerreichbar weit entfernt.
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