Empfehlung des Tages: Lance Butters – Mir geht’s gut
Wenn Lance Butters droppt, wissen wir sofort: Es geht tief, ganz tief, nach unten. Das hypercoole Image seiner Anfangszeit hat der Masken-Rapper längst abgelegt, stattdessen gewährt er uns mit seiner Musik Einblicke in die eiskalte Emotions-Wüste, durch die er sich tagtäglich kämpft. Zuletzt geschah das im letzten Jahr auf den beiden EPs „Sommer“ und „Loner“ und davor auf dem Album „Angst“ – eine Auseinandersetzung mit mentalen Abgründen, wie sie die deutsche Rap-Szene erst selten hervorgebracht hat. 2023 war es verhältnismäßig still um Lance Butters, doch kurz vor Jahresende veröffentlicht er nun mit „Mir Geht’s Gut“ noch eine Single, die uns in drei Minuten jegliches Serotonin entzieht.
„Stehe ich mal auf, dann beweg ich mich in Zeitlupe / Alles was ich will ist meine scheiß Ruhe, bis 12 Uhr ist“, ätzt Lance Butters gequält über sparsam gesetzte Synthies und Drums, die ticken wie eine viel zu laute Uhr. Der Interpret hinter der Ironman-Maske malt ein Leben, das von Lethargie, Überforderung und Hoffnungslosigkeit geprägt ist. Demnach verbringt er, wenn er nicht gerade bekifft durch die Stadt geistert, den Großteil des Tages in Los Santos, dem imaginären Schauplatz von GTA V. Die Außenwelt ist nur ein verzerrter Schemen auf der anderen Seite der streng gehüteten Seifenblase – aber „Mir geht’s gut“, versucht Lance Butters halbherzig sich und sein Publikum zu überzeugen. Bei aller Tragik ist es fast schon ironisch: Der einstige Battlerapper ist es leid, sich über irgendwelche VBT-Nasen oder den Bodensatz der Deutschrap-Szene zu empören und kämpft stattdessen mit einem viel größeren Gegner: Sich selbst.
Hier gibt’s täglich neue Songempfehlungen:
Das neue DIFFUS Print-Magazin
Titelstory: Ikkimel
Auch im Heft: Noah Kahan, Baran Kok, Josi, Robyn, Philine Sonny und Apsilon.
Dazu große Reportagen über die Vaporwave-Szene in Deutschland, die extreme Metal-Szene in Subsahara-Afrika oder das Rap-Projekt „HaftBars“ in einer Berliner Jugendstrafanstalt.