Empfehlung des Tages: Leyya – I Don’t Hug So Well
Es gibt nur wenige Menschen, die der österreichischen Musiklandschaft in den letzten Jahren so sehr ihren eigenen Stempel aufgedrückt haben, wie Marco Kleebauer und Sophie Lindinger. So ist Marco Kleebauer zum Beispiel als Teil des Indie-Hip-Hop-Trios Sharktank aktiv, das erst im Mai mit ihrer EP eine spannende ästhetische Neuerfindung durchgemacht hat. Außerdem hat er als Produzent schon an anderen einschlägigen Musik-Projekten von Acts wie Oehl, Bilderbuch oder Naked Cameo mitgewirkt. Sophie Lindinger rüttelt dagegen schon seit fünf Jahren als Teil von My Ugly Clementine die Wiener Szene mit herrlichem kantigem Indie-Rock durch, irgendwo zwischen 90er Grunge und modernen Größen wie boygenius.
Wenn diese beiden Koriphäen in ihrem gemeinsamen Projekt Leyya zusammenkommen, kann also nur Großartiges dabei heraus kommen. Das beweisen die zwei Amadeus Awards, die das Duo bereits sein eigen nennen kann und auch die spannenden Singles, mit denen Leyya aktuell ihr drittes Album „Half Asleep“ anteasern. In knapp einem Monat, am 30. August, soll das Projekt erscheinen, zuvor gab es am Freitag mit „I Don’t Hug So Well“ eine letzte Single.
Immer viel, nie überfordernd
Die Musik von Leyya einzuordnen, fällt schwer. Oft variiert der Stil, in dem sich Marco Kleebauer und Sophie Lindinger austoben, von Song zu Song und oft passiert innerhalb eines dieser Songs mehr als auf so manchem Album. Trotzdem wird der Alternative Pop des Duos nie unangenehm überfordernd. Auch ihre neueste Single „I Don’t Hug So Well“ ist nur so beladen mit verschiedenen Sounds, die gemeinsam größer als die Summe ihrer Teile sind.
Akustische Gitarren eröffnen das Stück, die aber bald von glitzernden Synthie-Arpeggios und Vocal-Schnipseln abgelöst werden. Dazu singt Sophie Lindinger mit lethargischer, hohler Stimme: „Hey you, are we friends? / I don’t hug so well“. Das erinnert dann fast an die stilleren Momente auf dem neuen Album des Hyperpop-Begründers A. G. Cook oder an den experimentellen Pop von Sega Bodega. Mehr als je zuvor vermählen Leyya nahtlos Digitales und Organisches. Am Ende von diesem Prozess kommen sie bei einem neuartigen Indie-Elektro-Pop heraus, den so eigenständig, detailliert und liebevoll gerade niemand sonst macht.
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