Empfehlung des Tages: Lil Yachty – A Cold Sunday
2016 erzählte Lil Yachty in einem Interview, dass er keine fünf Songs von Tupac oder Biggie kenne und sorgte dafür für Empörung bei Oldschool-Fans. Heute hüpft der Rapper aus Atlanta auch selber mal auf einen Boom-Bap-Beat – und sollte mit Songs wie „A Cold Sunday“ auch die letzten Kritiker:innen überzeugen.
Musik ist meistens gut, wenn Artists das tun, was sie am besten können. Noch besser wird sie, wenn Künstler:innen über ihren bisherigen Horizont hinauswachsen und in Sphären vordringen, in die sie sich bisher nicht gewagt haben. So haben wir 2023 das Schaffen von Lil Yachty beobachtet, der sich anscheinend einen amtlichen Trip gegeben oder auf andere Art und Weise ein neues Level in seiner Musik freigeschaltet hat. Anders können wir uns diese Metamorphose kaum erklären: Vom viel verspotteten Enfant Terrible der Soundcloud-Ära über den viralen „Poland“-Hit zu einem der spannendsten Psychedelic Pop-Alben der letzten Jahre? Wie passiert sowas? Beschweren wollen wir uns darüber natürlich nicht.
Für „Let’s Start Here.“ hat sich der Rapper aus Atlanta in Form von Artists wie Magdalena Bay, Mac DeMarco und MGMT’s Ben Goldwasser die passende Hilfe geholt, um Stücke zu erschaffen, die mit seinen Trap-Wurzeln nicht mehr viel zu tun haben. Dafür liefert er seit dem Release seines letztjährigen Albums umso mehr Material für alle, denen die Platte zu farbenfroh und abgefahren war. Aber auch bei seither erschienenen Singles wie „Tesla“ oder „Strike (Holster) blitzt eine gewisse Experimentierfreude durch, die beim zuhören Spaß macht und jeden neuen Release zur Überraschung macht.
Der Freestyle zum Sonntag
Nachdem Lil Yachty zuletzt auf Features mit Chief Keef, Yungblud und Faye Webster (was für eine Aufzählung!) erschien, hat er am Freitag einen neuen Solo-Track veröffentlicht. „A Cold Sunday“ ist dabei nicht viel mehr ein Freestyle und zeigt damit, dass Yachty auch diese Disziplin endgültig drauf hat. Das war nicht immer so: 2018 wurde er noch wegen einer verpatzen Performance in einer Radio-Show verspottet. „A Cold Sunday“ hört man dagegen förmlich an, wie sehr sich Lil Yachty inzwischen für das Jonglieren mit Flows und Wortspielen begeistern kann. Die simplen, nostalgischen Sample-Loops erinnern an Tyler, The Creator und Earl Sweatshirt – ein spannender Kontrast zum zuvor erschienenen, psychedelischen Trap-Horror-Film „Gimme Da Lite“. Mit seinem Album hat Lil Yachty im letzten Jahr mit jeglichen Erwartungshaltungen gebrochen und es scheint, als würde er auch 2024 nicht zulassen, dass man ihn in Schubladen steckt.
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