Empfehlung des Tages: Lovejoy – Call Me What You Like
Selbst wer den Namen Lovejoy noch nie gehört hat, hat eines der Bandmitglieder vielleicht schon mal in einem anderen Kontext gesehen. Will Gold, besser bekannt als Wilbur Soot, war früher hauptsächlich als YouTuber auf dem gleichnamigen Kanal aktiv, der mittlerweile über 6 Millionen Abonnenten zählt. Die Comedy- und Gaming-Videos dort und auf seinem anderen Kanal SootHouse waren Wilbur aber irgendwann nicht mehr genug. 2020 begann er, das erste Mal selbst Musik zu veröffentlichen und gründete kurz darauf die vierköpfige Band Lovejoy – direkt ein voller Erfolg.
Statt viraler Parodie-Songs wie „I’m in Love with an E-Girl“ oder „Internet Ruined Me“ ist die Musik von Lovejoy allerdings deutlich ernstzunehmender. Also keine klassische Geschichte eines YouTubers, der sich an Musik versucht, vielleicht aber doch lieber bei den Videos geblieben wäre. Nein, es erinnert eher an Joji, der sich, nach seiner YouTube-Karriere als Filthy Frank, einen festen Platz in der Musikindustrie erarbeiten konnte.
Nach der Debüt-EP und dem zweiten Projekt „Pebble Brain“ folgt jetzt mit „Call Me What You Like“ eine neue Single der Band – und ein waschechter Indie-Rock-Hit. Der ruhige Anfang des Songs trügt, denn sobald der Refrain einsetzt, explodiert alles wie das Flugzeug auf dem Cover. Was besonders heraussticht, ist das ungezähmte Schlagzeug, das mit schnellen Double-Kick-Drum-Passagen überrascht, wie man sie sonst nur von Metalbands kennt. Gleichzeitig versprüht der Song in den Strophen Nostalgie der 2000er mit seinen kantigen Gitarrenlines und fast schon Sprechgesang-artigen Vocals à la Franz Ferdinand.
Alle Boxen gecheckt
„This just in: / I am a total fucking dumbass / And I’ve come to the uncomfortable conclusion / I’ll be spending the rest of my life in a state / Of constant paranoia“, redet Will sich in Rage. Bei all der Wut bleibt der Song aber dennoch leicht verdaulich und einprägsam durch die poppige Melodie und saubere Produktion. Somit checkt „Call Me What You Like“ alle Boxen: catchy, dynamisch, abwechslungsreich, nostalgisch, modern… Die für Lovejoy typischen Bläser fehlen zwar, vermissen wird man hier aber gar nichts.
Hier gibt’s täglich neue Song-Empfehlungen:
Das neue DIFFUS Print-Magazin
Titelstory: Ikkimel
Auch im Heft: Noah Kahan, Baran Kok, Josi, Robyn, Philine Sonny und Apsilon.
Dazu große Reportagen über die Vaporwave-Szene in Deutschland, die extreme Metal-Szene in Subsahara-Afrika oder das Rap-Projekt „HaftBars“ in einer Berliner Jugendstrafanstalt.