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Empfehlung des Tages: Marteria feat. DJ Koze – Neonwest

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Marten Laciny hätte einfach ein weiteres Marteria-Album machen können. Stattdessen hat er sich dieses Jahr mit „5. Dimension“ gewissermaßen neu erfunden – und dass vor allem musikalisch. „5. Dimension“ ist der Soundtrack für durchwachte Nächte und den laschen Katertag danach. Am ehesten gehört das Album aber in die frühen Morgenstunden dazwischen, in denen das letzte Serotonin langsam abgebaut wird. Auf Beats zwischen Electronica und UK Garage rappt und singt Marteria über Höhenflüge und Abstürze und experimentiert dabei mehr denn je. Das zeigt sich nicht zuletzt an der Tracklist des Albums: Neben den üblichen Verdächtigen wie Yasha und Miss Platnum sind auf „5. Dimension“ ganze vier Songs in Zusammenarbeit mit Produzenten-Koriphäe DJ Koze entstanden. Einer davon ist „Neonwest“ – eine musikalischer Erinnerung an das erste Mal West-Berliner Luft schnuppern.

Marteria feat. DJ Koze – Neonwest

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Im November 1989 fällt die Berliner Mauer und alles wird anders. Aus zwei separaten Staaten soll einer werden, zwei Auffassungen von Politik, Kultur und Gesellschaft kollidieren miteinander. Vor allem werden Millionen von Einzelschicksalen umgewälzt und neu geschrieben – so auch das von Marten Laciny aka Marteria. „Kurfürstendamm, lauf’ an der Hand / Von meiner Mum, durch Neonlicht-Reklam’n“, rappt er in den ersten Zeilen von „Neonwest“. Auf der anderen Seite der Grenze ist alles anders. Es gibt fremde Marken, exotisches Obst und Familienmitglieder, die man noch nie gesehen hat. All das berichtet Marteria so authentisch, als würde er Fetzen aus einem wiederentdeckten Tagebuch vortragen. 

UK Garage statt Hip Hop-Beat

Die Wende ist für Marteria als Kind vor allem Chance und Abenteuer, ein neues Schlaraffenland tut sich auf und will erobert werden: „Hab‘ hundert Mark Begrüßungsgeld, hier strahl’n all die Züge gelb / Was ist Lipton Ice? Papa, was ist Pepsi Light?“. Seine Erzählung bettet er dabei in einen unkonventionellen 2-Step-Beat, in dem die Sound-Welten von Marterias Stammproduzenten The Krauts und Feature-Gast DJ Koze zusammentreffen. Das nostalgische Instrumental will Stück für Stück entschlüsselt werden, der Rhythmus offenbart sich nicht sofort. 

Vielleicht ist es diese experimentelle Produktion oder die ungewöhnliche Thematik, so oder so fällt „Neonwest“ aus den übrigen Raver-Hymnen von „5. Dimension“ heraus. Für viele Hörer:innen ist der Song wohl einfach ein sperriger Fast-Fünf-Minüter im letzten Drittel des Albums. Tatsächlich versteckt sich hinter „Neonwest“ aber einer der spannendsten Songs über die Ost-West-Thematik – herrlich unpolitisch und dafür sehr persönlich.

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