Empfehlung des Tages: Mauli – Unsichtbar
„Schon als kleines Kind, sagte mir mein Instinkt, dass Dreistigkeit gewinnt“, mit dieser Zeile eröffnet Mauli seinen neuen Song „Unsichtbar“ und besser könnte man seine Karriere auch nicht beschreiben. Ob es ums Rapper dissen geht oder um Ladendiebstahl,: Mauli ist geradezu berühmt für seine Dreistigkeit – nicht umsonst hat er ein Album mit dem Titel „Frechdachs“. Die neue Single „Unsichtbar“ gehört dabei in das Themenfeld Klauen und knüpft damit an Songs wie „Klepto“ und „Hausfriedensbruch“ an.
Typisch für Mauli mit ordentlich Autotune singt er auf „Unsichtbar“ von seinen Diebstahl-Eskapaden: „Manchmal lauf ich direkt hinein ins Lager, als wär das Geschäft von meinem Vater“. Im Musikvideo filmt sich Mauli mit einer versteckten Kamera, wie er in verschiedene Markenläden spaziert und Sachen mitgehen lässt. Mauli bemängelt in „Unsichtbar“ spöttisch, dass es ihm dabei viel zu leicht gemacht wird und fragt sich, woran es liegt, dass er nie von der Security wahrgenommen wird. Die Antwort: seine Hautfarbe. „Bin ich unsichtbar? Oder nehmen blaue Augen blonde Jungs nicht wahr?“ Eine bittere Pointe, die in der monumentalen, gesungenen Hook nach den lockeren Seitenhieben gegen die kapitalistische Maschinerie ziemlich reinhaut.
Ganz unsichtbar ist Mauli dann anscheinend doch nicht, denn am Ende des Videos sieht man ihn in Handschellen in einem Polizeiwagen. Sein Punkt bleibt aber trotzdem bestehen: Nicht-weiße Menschen werden aufgrund von rassistischen Stereotypen häufiger von Security Guards verdächtigt und kontrolliert. Wie leicht oder schwer es einem gemacht wird, dem Drang zur Kleptomanie nachzugehen, scheint eine Frage der Hautpigmente zu sein – eine Erkenntnis, die Mauli den Spaß an seinem liebsten Hobby nimmt.
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