Empfehlung des Tages: Nieve Ella – The Things We Say
„If you don’t like music, listen to Nieve Ella“, ganz schön stolze Ansage als Spotify-Bio. Eine Ansage, der sich aber viele anschließen: NME, Rolling Stone UK und Konsort:innen überschlagen sich in Lobgesängen für die 21-jährige Singer-Songwriterin aus England. Damit wird der Kern des einleitenden Statements eindeutig: Nieve Ella bringt frischen Wind in die Musikszene und wer gelangweilt ist, von dem, was der Algorithmus ansonsten auftischt, könnte hier eine aufregende Neuentdeckung machen.
Was nicht unbedingt heißt, dass es ein gänzlich neuer Sound sei, der keinerlei Anknüpfungspunkte an Bekanntes liefert. Paradebeispiel: Ihre neuste Single „The Things We Say“. Den ehrlichen Gen-Z-Poesie-Spirit einer Phoebe Bridgers kann man darin ähnlich heraushören wie Gitarrensounds, die an den Alt-Rock der 90er erinnern. Mit dem Produzenten Iain Berryman an Bord haben wir weitere Verweise auf innovative Indie-Acts der letzten Jahre wie Beabadoobee, Young Fathers oder Wolf Alice, mit denen Berryman bereits zusammenarbeitete.
Zwischen den Fronten
Nieve Ellas Talent liegt vor allem darin, das melodische Gespür für rundes Songwriting mit Texten zu verbinden, die ungeschönt das junge Erwachsenen-Dasein reflektieren. „The Things We Say“ dreht sich um einen sehr emotionalen Streit, wie schon Zeilen wie „I thought calling you a liar was the easiest way to end it“ klarstellen.
Es handelt sich aber nicht um einen romantischen, sondern einen platonischen Konflikt. Sie erzählt: „Ich habe ‚The Things We Say‘ nach einem Streit mit einer besten Freundin geschrieben. Diese Gespräche können im besten Fall schmerzhaft sein, aber noch mehr, wenn es mit jemandem ist, den man sehr liebt. Etwas so Rohes und Ehrliches schreiben zu können und keine Angst davor zu haben, meine Gefühle auszudrücken, hat mich stark und empowered gemacht.“
Auftakt zu einem spannenden Jahr
Mit „The Things We Say“ läutet die Künstlerin ihr 2024 ein, das vielversprechend aussieht, nachdem sie letztes Jahr mit ihrer Debüt-EP schon einiges abräumen konnte. Für diesen Sommer stehen neben Releases auch einige Auftritte an, in Deutschland unter anderem auf dem MS Dockville und dem Maifeld Derby.
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