Empfehlung des Tages: Savvy – Weitsicht
2017 stolperte Savvy im Dunstkreis der BHZ-Crew in den Deutschrapkosmos und machte mit ersten Releases auf sich aufmerksam. Seitdem ist der Rapper aus Berlin-Friedrichshain immer am Ball geblieben, hat sich durch verschiedene Klangbilder von Boom-Bap bis Trap probiert und mit stetigem, qualitativen Output den Respekt der Szene erkämpft. Nun scheint das nächste Kapitel in Savvy Laufbahn als Musiker anzustehen: Am vergangenen Freitag hat er mit „Weitsicht“ seine neueste Single veröffentlicht – eine dichte Erzählung vom Aufwachsen auf den Straßen von Berlin, die nicht immer gerade verlaufen.
Zuvor hatte Savvy mit „36 Grad“ seinen eigenen Entwurf des aktuellen Sample-Wahns geliefert, in diesem Fall natürlich mit dem gleichnamigen 2000er-Hit von 2raumwohnung. Dass der aufstrebende Rapper den Mechanismen der Musik-Industrie trotzdem kritisch gegenüber steht, hat er kurz danach auf Instagram gezeigt. Hier teilt Savvy ein umfangreiches Statement über seinen Werdegang, seinen heutigen Status in der Deutschrap-Landschaft und nicht zuletzt auch die verlorene Kunst, Alben zu machen: „Ich glaube, meine Leidenschaft für die Musik hat mir mehr Probleme eingebracht, als ich eigentlich tragen kann und ich stehe heute damit nur ein paar Meter weiter, als damals mit 22. Trotzdem ist es verrückt, wie viel passiert ist seitdem und ich bin sehr dankbar, dass ich/wir das hier machen dürfen.“
So etwas von einem leidenschaftlichen Musiker wie Savvy zu lesen, schmerzt. Trotzdem ist klar: Aufgeben ist keine Option. Savvy hat in den vergangenen zwei Jahren ein Album gemacht, in das wir nun wohl immer mehr Einblicke bekommen werden. Den Anfang macht dabei die neue Single „Weitsicht“.
„Gerader Weg oder Achterbahnfahrten“?
Wie gewohnt präsentiert sich der Rapper hier mit inhaltsstarken Texten, vorgetragen auf einem krachendem Boom-Bap, der im Zweifelsfall auch Wände einreißen könnte. Savvys geladene Performance kann das auch: „Guck Mal, ich hab‘ so viel Brüder, deren Väter niemals da war’n / Mama war immer stark, aber findet kein’n Schlaf seit Jahr’n, Mann / Kriegt Angst, wenn man die Miete nicht bezahl’n kann / Darum zieh’n Kinder los und hol’n es rein auf einer Parkbank“. Savvy erzählt von einem Leben im Zwielicht, irgendwo zwischen einem geraden Lebensweg und Achterbahn-Loopings.
Protagonist dieser Geschichte ist im Video, anders als bei den meisten Rap-Visualisierungen, allerdings nicht er. Nur am Rande sehen wir den Rapper immer wieder für ein paar Sekunden, während wir eigentlich einem Jugendlichen zuschauen, der sich im Großstadtdschungel von Berlin behauptet. Klappmesser und Schattenboxen, Deals an der Ecke und der anschließende Kopffick alleine im Zimmer.
Für Musiker ist ihr nächstes Album bekanntlich immer das beste, das sie je gemacht haben – eine Behauptung, die nicht immer zutrifft. Savvy hingegen scheint wirklich gerade auf dem Weg in ein neues Kapitel zu sein und weiß besser als je zuvor, wo er mit seiner Kunst hinmöchte.
Wer Savvy live erleben möchte, hat im kommenden Herbst die Gelegenheit dazu.
Tickets dafür gibt es hier.
Keine Angst Tour – präsentiert von DIFFUS
12.11.22 Köln, Yard Club / Die Kantine
13.11.22 Frankfurt am Main, Ponyhof
14.11.22 München, Ampere
16.11.22 Hamburg, Hebebühne
17.11.22 Leipzig, Naumanns
18.11.22 Berlin, Gretchen
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