Empfehlung des Tages: Serpentin – Schrammen
Vor ziemlich genau einem Jahr schmetterte uns Serpentin mit „Alles scheisse“ ihre ganz eigene Kampfansage an das Leben um die Ohren und hinterließ uns ziemlich gespannt auf alles, was da noch folgen würde. Seither veröffentlichte die Newcomerin ihre erste EP „Sturm & Drang“, Features mit Stockmann, Crystal F und Psassa und nun ihre neueste Single „Schrammen“: ein düsteres Stück zwischen Cold Wave, Drift Phonk und allem anderen was in den Ohren so schmerzt, wie die Kratzer auf dem Herzen.
Serpentin malt mit dunkler Palette
„Serpens, Serpentis“ – das ist lateinisch für „Schlange“, im Mittelalter auch häufig mit „Teufel“ gleichgesetzt. Das geschuppte Tier mit der gespaltenen Zunge, das immer wieder für Faszination und Abscheu sorgt, prankt zentral auf der ersten Single der Newcomerin Serpentin. Was sie zu ihrem reptiloiden Namen geführt hat, wissen wir noch nicht. Vielleicht ist es die Wandelbarkeit ihres Sounds, der sich fließend von Avantgarde-Pop zu Techno und weiter schlängelt. Vielleicht ist es der Hang zum Abgründigen und Morbiden, der in ihren Erzählungen vom Zwischenmenschlichen und intimen Innenleben immer wieder durchscheint.
Akupunktur für’s Trommelfell
Trotz und vielleicht sogar wegen dieser dunklen Palette von Klängen und Themen kommt Serpentin bei immer mehr Menschen sehr gut an. Von der ersten Hype-Welle um ihren Song „Alles scheiße“ angetrieben, spielt sich die Newcomerin von einem Gig zum nächsten und lockt das Publikum mit ihrer Live-Energie in ihre Diskographie. Dort gibt es aktuell frischen Wind zu genießen: nämlich „Schrammen“, die neueste Single von Serpentin. Die fängt ziemlich schonungslos an, mit peitschenden Snares bei denen man sich förmlich weg ducken möchte. Noch auffälliger sind die dissonanten Synthie-Sounds, die beinahe an Drift Phonk erinnern, jene unheilige Kreuzung aus EDM und Memphis-Untergrund, die derzeit die Runde auf TikTok macht.
Während die Synthesizer unserem Trommelfell also eine schonungslose Akupunktur verpassen, echot Serpentins Stimme klagend durch den Song. Auf Instagram sagt die Künstlerin zu ihrer neuen Single: „Ich sammle Schrammen. Einen großen Teil meines Lebens hab ich sie mir ständig angesehen, sie immer wieder aufgerieben, sie als Teil von mir betrachtet. Ein bisschen so als wollte ich gar nicht, dass sie verheilen. Aber irgendwie konnte ich es nie lassen mich zu wehren gegen den Zweifel. Egal, wie klein ich mich gefühlt habe, egal wie wohl und sicher ich mich mit meinen Schrammen gefühlt habe; ich wollte es nie ganz glauben, dass es nicht wieder gut wird. Dieser Song ist genau das, was er sagt: es fühlt sich so an.“
Hier gibt’s täglich neue Songempfehlungen:
Serpentin auf „Atta Girl“ Tour 2023 – präsentiert von DIFFUS
21.11.23 – Hamburg, Häkken
22.11.23 – Berlin, Schokoladen
24.11.23 – Stuttgart, ClubCANN
25.11.23 – Mainz, schon schön
26.11.23 – Köln, Tusnami Club
15.12.23 – Hannover, MephistoTickets gibt’s hier.
Das neue DIFFUS Print-Magazin
Titelstory: Ikkimel
Auch im Heft: Noah Kahan, Baran Kok, Josi, Robyn, Philine Sonny und Apsilon.
Dazu große Reportagen über die Vaporwave-Szene in Deutschland, die extreme Metal-Szene in Subsahara-Afrika oder das Rap-Projekt „HaftBars“ in einer Berliner Jugendstrafanstalt.