Empfehlung des Tages: So Soon – You Don’t Understand
So Soon machen gerade ihre ersten Schritte in der lebendigen deutschen Indie-Szene. Trotzdem hat man den Eindruck, ihr Sound hätte schon jetzt das Zeug, große Bühnen zu füllen oder als Begleitung für die Kino-Leinwand herzuhalten. In diese Kategorie fällt auch der Song „You Don’t Understand“ von der neuen Debüt-EP „Then“. An dieser hat das Duo über die letzten Jahre immer wieder gearbeitet. Ein liebevoller Feinschliff, den man dem Song anhört, wenn So Soon mit krachenden Klängen über den großen Knall in einer Beziehung singen.
Newcomer nicht erst seit gestern
So Soon, das sind die beiden Songschreiber, Multiinstrumentalisten und Produzenten David Stöbener und Marco Braun, die erst seit wenigen Monaten gemeinsam ihre Musik veröffentlichen. Im Hintergrund köchelt diese aber schon eine ganze Weile länger. Am Freitag erschien nach zwei Singles die Debüt-EP von So Soon, an der das Duo schon seit Jahren immer wieder behutsam schleift. Passend ist das Projekt mit „Then“ betitelt, ein nostalgischer Blick über die Schulter, in die Vergangenheit. Neben dem entsprechenden Titeltrack beeinhaltet die EP noch vier weitere Stücke. Diese sind allesamt auf Englisch gesungen und in der Produktion größer angelegt, als man es von zwei deutschen Indie-Neustartern vermuten würde.
Soundtrack einer Beziehungskrise
Besonders angetan hat es uns „You Don’t Understand“: Ein Song, wie gemacht für die Schlüsselszene eines Kinofilms, in kriseligem Analog-Look, wie er auch das EP-Cover ziert. Voluminöser Band-Sound trifft hier in den Händen von David und Marco auf elektronische Spielereien und Synth-Details. Inhaltlich werden wir als Hörer:innen dabei mit in eine bröckelnde Beziehung genommen, in aus aus unerfindlichen Gründen an einander vorbei kommuniziert wird: „I think that I’ve heard enough / guess I just left our common ground / While I’m looking in your hopeless face / Things got lost without a trace / nobody there to seek them“. Beide Partner:innen sind hier auf ihrem Standpunkt festgefahren und können oder wollen keinen Schritt auf den anderen zugehen.
Begleitet wird diese Krise von großem Getöse, trotzdem finden So Soon auch immer wieder zu ihren sanften Momenten. Großes Kino also, und daher möchten wir an dieser Stelle einen Aufruf starten: Sollten sich unter euch da draußen Filmemacher:innen befinden, meldet euch bei So Soon und stellt da was gemeinsam auf die Beine – dieser Song hätte es verdient, im Kino zu laufen.
Das neue DIFFUS Print-Magazin
Titelstory: Ikkimel
Auch im Heft: Noah Kahan, Baran Kok, Josi, Robyn, Philine Sonny und Apsilon.
Dazu große Reportagen über die Vaporwave-Szene in Deutschland, die extreme Metal-Szene in Subsahara-Afrika oder das Rap-Projekt „HaftBars“ in einer Berliner Jugendstrafanstalt.