Empfehlung des Tages: Sofd – fallen
Tagtäglich sind unser aller Feeds und Timelines aufs Neue zugemüllt mit unfassbaren Datenmengen. Reels, TikToks und Shorts schreien uns von jedem erdenklichen Bildschirm an, jedes Wort will perfekt gewählt sein, um die wertvollste Währung unserer Zeit zu ergattern: Aufmerksamkeit. Selbige innerhalb von dieser Flut aus Informationen mit akustischen Gitarren- und Klavier-Sounds zu erkämpfen, scheint utopisch – aber Sofd ist genau das gelungen. Zumindest bei uns. Am Freitag hat das Duo aus Köln seine Konzept-EP „loveletters & leftovers“ veröffentlicht, eine Handvoll von betörend schönen Indie-Songs, die beim Innehalten helfen.
Sofd bestehen aus dem Filmmusiker Felix Ohlert und dem Schauspieler, Autoren und Regisseur David Hugo Schmitz. Letzteren habt ihr vielleicht sogar schon als Teil der Instagram-Inszenierung „Ich bin Sophie Scholl“ gesehen. Erst 2023 entschließen sich die beiden Freunde, ein gemeinsames Duo auf die Beine zu stellen und fangen da an, wo schon viele gute Karrieren gestartet haben: bei Cover-Songs. In kurzen Clips performen Felix und David Hugo Songs von Provinz, Jeremias und AnnenMayKantereit, aber auch The Smiths und Pixies.
Vom Tragen und Fallen lassen
Nach und nach reifen erste eigene Stücke, und die Idee, aus diesen ein richtiges Projekt zu formen. „Loveletters & Leftovers“ ist dabei nicht nur das fertige Produkt, sondern auch ein Einblick in die Reise dorthin, ganz gemäß dem Motto: Der Weg ist das Ziel. Mit intimen Interludes und Sprachnotizen lassen Sofd ihr Publikum teilhaben an alle Höhen und Tiefen, die sie in den letzten Monaten durchlebt haben und die ihre sanften Singer-Songwriter-Stücke inspirieren.
Am Ende gibt es dann noch eine kleine Überraschung: Mit „fallen“ und „sommerregen“ haben dann auch noch zwei deutsche Songs ihren Weg auf die ansonsten englisch-sprachige Tracklist gefunden. So rücken die gesungenen Zeilen nochmal bedeutend näher an uns heran: „Manchmal frag ich mich / Ob wir uns eigentlich verstehen“, heißt es auf „fallen“. Trotzdem ist es kein bitterer Song. Es geht nicht darum, in ein schwarzes Loch hineinzustürzen, sondern eher Ballast aus einem Heißluftballon abzuwerfen.
Wenn dann auch der letzte Song ausgeklungen und der „sommerregen“ getrocknet ist, hat man das Gefühl, Sofd ziemlich gut kennengelernt und vielleicht eine neue Lieblingsband gefunden zu haben.
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