Empfehlung des Tages: Streichelt – Canapé
Der NNDW-Künstler Streichelt, mit bürgerlichem Namen Johannes Weichelt, ließ in der Vergangenheit mit Releases wie „Discounterherz“ oder „Mit Spritz“ die Herzen von Indie-Fans höher schlagen. Umso erfreulicher, dass er uns diesen Februar nicht nur seine neue Single „Canapé“, sondern gleich die ganze EP „Rosenkrieg“ liefert. Anderthalb Jahre lang hat Weichelt daran getüftelt, nun sollen die sechs Songs nicht nur die musikalische Essenz des Künstlers abbilden. Streichelt geht es auch darum, die emotionale Achterbahnfahrt, die er in der Zeit durchlebt hat, zu vertonen. Von Trennungsschmerz über Selbstzweifel bis hin zu Neuanfängen läßt er dabei nichts aus.
Streichelt: Die Wahrheit klebt an der Kühlschranktür
Die Single hat der Musiker in gewohnter Streichelt-Manier zu Hause selbst produziert. In raffiniertem und angemessen zynischem Ton beschreibt er in „Canapé“ emotionalen Konsum, Ego und Gier: „Ich konsumiere Menschen wie Canapé“. Weniger makaber als der Text kommen die Instrumentals des Songs daher: Der Nürnberger kleidet die Zeilen durch melodische Synths und Disco-Drums in ein tanzbares Pop-Gewand. Im Refrain heißt es: „Ein beschleichendes Gefühl sagt mir, ich kenne die Wahrheit. Steht geschrieben auf einem Zettel an der Kühlschranktür.“ Besagte Wahrheit kommt anscheinend in Form einer emotionalen Raupe Nimmersatt: „Nimm das letzte Stück vom Teller, Pech gehabt, ich war halt schneller. Fresse auch noch das Besteck, ein kluger Dieb räumt alles weg.“ Mit „Canapé“ liefert Streichelt einen zeitgenössischen Pop-Song, der mit seinem unverblümten Text ohne Umwege besticht.
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