Empfehlung des Tages: TEER – SUMMER OF 1312
Wenn „Summer Of ‘69“ von Bryan Adams das Nostalgie-Sommerlied der Boomer-Generation ist, dann ist „SUMMER OF 1312“ von Teer vielleicht die Antwort der Gen Z darauf. Zumindest in puncto Rebellion. Denn während Adams Song zum In-Erinnerung-schwelgen einlädt, kommt „SUMMER OF 1312“ mit einer klaren Ansage: So wie es jetzt ist, kann es nicht weitergehen! Jemand muss sich widersetzen gegen die zunehmende Staatsgewalt, wir können die Zustände nicht mehr einfach so hinnehmen. Der neuste Track des Nu-Techno-Duos ist der Soundtrack eines Sommers, der nach Graffitidosen, Eisen, dampfenden Asphalt und zu viel Hitze riecht: „Chain smoking on the edge of the world / Die Luft schmeckt hier so kaputt“. Ein dystopischer Sommer also: Feuer legen, wegrennen, Knie aufschürfen.
Sima und Luca, die das Duo Teer bilden, haben dafür eine Klangwelt kreiert, die sich von dem gespenstischen Sound der Vorgänger-EP „AETHER“ abhebt. Zwar verbindet „SUMMER OF 1312“ noch immer Techno-Beats mit NNDW-Elementen, die verzerrten Synths des Post-Punk-Tracks und die Drums ersetzen jedoch Finsternis durch Krawall. Die kurze Schlagzeugpause in der zweiten Hälfte des Tracks ist, als würde man die Arme in die Seite stützen, um kurz durchzuatmen, bevor man weiterrennt. Simas Flüstern, das mal nah, mal wie ein Echo wirkt, ist wie ein Versprechen: Dieser Sommer ist der Sommer des Widerstands, diesen Sommer lehnen wir uns auf. Wenn „AETHER“ die Musik ist, die die Technoclubs dieses Landes füllt, dann sollte „SUMMER OF 1312“ nachts aus allen Wäldern schallen. Zwischen Gefahr und Sehnsucht haben Teer den Beat für das Ende des Sommers gebaut und vielleicht auch für das Ende der Welt.
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