Empfehlung des Tages: Tightill – Dealer
Nachdem Rapper Tightill einige Zeit lang in Zürich, Barcelona und Berlin gelebt hat, zieht es den Bremer vor einigen Jahren wieder zurück in seine Heimatstadt. Dort gründet er gemeinsam mit Doubtboy, Skinnyblackboy, Young Meyerlack, Florida Juicy und Jay Pop die außergewöhnliche Rap-Crew Erotik Toy Records und macht es sich gemeinsam mit seinen Homies zur Aufgabe, Deutschrap zu revolutionieren. Statt mit Marken-Klamotten, einem teuren Neuwagen und einem riesigen Ego wollen die Bremer beweisen, dass man auch mit seinen Gefühlen flexen kann. Auch wenn treuen Modus Mio-HörerInnen dabei vielleicht der Appetit auf das zeitgenössische Kollektiv vergeht, haben sich Erotik Toy Records in den letzten paar Jahren mit gefühlvollen, selbstironischen und authentischen Lyrics in unsere Herzen gesungen und bewiesen, dass Genregrenzen und Berührungsängste ebenso wenig eine Rolle für das Team spielen wie aufwändig inszenierte Künstlerprofile oder szenetypische Rollenbilder.
Für das ETR-Aushängeschild Tightill, der das Wort Genregrenzen schon längst aus seinem Wortschatz verbannt hat, geht es in den nächsten Wochen in die heiße Phase, denn nach seinem Solo-Debütalbum „Infinity“ (2019) steht die Nachfolge-Platte „Strassenpop“ schon für den 19. März rot im Release-Kalender. Dass uns darauf eine vielfältige Mixtur aus glitzernden 80er-Jahre Synthies, durchdringendem Sprechgesang, elektronischen Pop-Vibes und spannendem Story-Telling erwarten wird, darauf lässt uns „Dealer“, die erste „Stassenpop“-Auskopplung schließen. Über einem Fundament aus sphärischen Synthesizern und rhythmischen Drums erzählt Thightill die typische Rap–Verticker–Story, nur dass diese im instrumentalen Kontext einen völlig anderen Vibes erhält. Doch für den Musiker selbst endet das Drogen-Geschäft im Musikvideo zu „Dealer“ schlussendlich mit einem Kopfschuss, ausgelöst durch seine Geliebte. Weshalb sich Tightill in dieser misslichen Lage befindet, das könnten zukünftige Release eventuell aufklären. Bis es so weit ist, drehen wir „Dealer“ einfach noch ein paar Mal ordentlich auf und geben uns seinem Groove vollkommen hin.
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