Empfehlung des Tages: Wilhelmine – Schwarzer Renault
Unsere Wahrnehmung spielt uns gerne mal einen Streich und lenkt unsere Aufmerksamkeit ganz selektiv auf bestimmte Dinge. So geht es auch der Berliner Musikerin Wilhelmine in ihrer neuen Single „Schwarzer Renault“: Sie verarbeitet eine Trennung, versucht abzuschließen, aber die ganze Stadt scheint sich entschieden zu haben, das Auto ihrer Ex-Partnerin zu fahren.
Auch wenn viele den Begriff nicht kennen, gehen wir alle immer wieder dem Phänomen der selektiven Wahrnehmung auf den Leim. Wir hören im Freundeskreis das erste Mal von Künstler:in XY – und hören die Musik auf einmal in jedem Radio, am See und in der Umkleidekabine im Klamottenladen des Vertrauens. Meistens ist das vor allem kurios oder faszinierend, aber im Fall von Sängerin Wilhelmine wühlt die selektive Wahrnehmung in unguten Erinnerungen, die sie eigentlich abhaken möchte.
Schwarze Autos an jeder Ecke
„Wieso fährt jeder hier dein’ schwarzen Renault?“, heißt es in der neuen Single der Pop-Musikerin aus Berlin. Die Beziehung, über die Wilhelmine singt, ist längst abgeschlossen und vorbei. Aber irgendwie wollen die Erinnerungen nicht schweigen, katalysiert durch das Auto ihrer Ex: „Es ist so viel passiert, all die Bilder von dir / Deine Hand im Fahrtwind, Roadtrip nach Italien“.
Während Wilhelmines letzte Veröffentlichung, „An all diesen Tagen“, mit Funk-Grooves daher kam, taucht sie hier mit den Zehenspitzen in Elektropop-Gewässer. Synth-Arpeggios rieseln immer wieder auf und ab, ein satter Bass brummt im Hintergrund und Wilhelmines Stimme erhebt sich klar und präzise über der eingängigen Produktion.
„Schwarzer Renault“ ist dabei eine weitere Single für Wilhelmines Debütalbum „Wind“, das nach diversen Singles und einer EP am 23. September erscheinen soll.
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