Empfehlung des Tages: Wohinn – Kreise durch die Stadt
Vor fast genau einem Jahr hat Jakob Hersch mit seiner Band Monako nach zwei EPs unter dem Titel „Scared Of The Way I Move“ ein wunderschönes Debütalbum veröffentlicht. Zum Release haben wir die Band damals in Hamburg besucht, mehr über diese intimen kleinen Song-Welten zwischen Indie, Folk und Neo-Soul erfahren und wurden am Ende festlich bekocht. Wenig später gab es dafür tragische Nachrichten, die ein anderes Projekt von Jakob angingen: Im April kündigte seine Band Der Ringer nach zehn Jahren eine Pause auf unbestimmte Zeit an.
Jakob Hersch formatiert sich neu
Dafür eröffnet Jakob Hersch jetzt ein neues Kapitel und startet unter dem Künstlernamen Wohinn zum ersten Mal in eine Solo-Karriere. Die erste Single „Brenn mich aus“ war dabei vor wenigen Wochen genau die flammende Introduction, die wir uns gewünscht haben: Eine echtes Hyperpop-Gewitter, mit scharfkantigen Breakbeats und Rave-Synthies. Dazwischen kommt Jakob Hersch aber immer wieder auch zu eine trügerischen Ruhe – ein Wechselspiel der Dynamik, das sich auch auf seiner zweiten Single fortsetzt.
Kreise durch die Genre-Welten
„Kreise durch die Stadt“ ist die Resignation nach dem ersten großen Sturm: „Der Tag gab mir nicht was ich von ihm wollte / Und ich gehe wieder los, lauf Kreise durch die Stadt / Von oben sieht man sie vielleicht“. Zeilen, die bitter wirken könnten, verbunden mit den warmen, flächigen Synthies klingt der Song aber erstaunlich versöhnlich, als hätte sich Jakob mit der emotionalen Eiszeit, von der er singt, schon abgefunden.
Wie auch schon in der ersten Single, beschränkt sich Wohinn nicht auf einen einzigen Sound, sondern vereint mehrere Stimmungen und Genre-Welten: Verspulte Sample-Zauberei à la Bon Iver, Lo-Fi-Housebeats und eine knirschende Wand aus Noise, an der all das schließlich zerschellt. Experimentelle Sounds, die mit Sicherheit nicht leicht zu verdauen sind. Aber gerade das macht das Projekt so spannend und sorgt dafür, dass Wohinn langsam aber sicher nicht nur seine Kreise durch die Stadt, sondern auch durch unserer Musik-Bubble zieht.
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