Empfehlung des Tages: Yosho – Andere Stadt
Deutschsprachiger Indie-Rap hat eine neue Stimme. Generischer Satz, den man so in den letzten Jahren etliche Male gelesen hat, aber so lasset mich rechtfertigen! Gerade die beiden Wörter „Indie“ und „Rap“ standen selten so würdig nebeneinander, wie im Falle von Yosho. Denn den Wiener Künstler kann man tatsächlich als die genaue Symbiose dieser Stile sehen. So treu zu den beiden Extremen, aber so smooth miteinander verbunden, wie man es selten hört. Und wo wir beim Thema „neue Stimme“ sind: Auf TikTok, wo ein Snippet zu seinem Song „Andere Stadt“ im Moment ziemlich abgeht, schreibt jemand: „Wenn OG Keemo und Henning May ein Kind hätten.“ Ja. Passt irgendwie.
Gemeint sind damit wahrscheinlich einerseits Yoshos deepe Texte und abwechslungsreichen Flows, andererseits wie er seine leicht kratzige Stimme melodisch einsetzt, nicht unähnlich zu May. Er rappt und singt in „Andere Stadt“ von Aufbruch und all den Gefühlswelten, die damit zusammenhängen. Ein Umzug in eine andere Stadt, das kann man wortwörtlich interpretieren, aber auch auf jegliche Situationen anwenden, in denen man ein neues Kapitel beginnt: „Mein Zimmer ist noch halb leer, ja das ein bisschen wie mein Herz“. Klar optimistisch ist Yosho dabei nicht, aber irgendwie besessen von Neuem und den zahllosen Plänen und Ideen: „Lass mal schauen, was mir da alles passiert“.
Eigenwilliger Minimalismus
Passend, denn „Andere Stadt“ ist Yoshos allererste Single. Das fällt fast schwer zu glauben, so klar definiert und eigen ist der Sound schon. Denn neben Text und Stimme sticht auch der Beat des Produzenten lowtyde heraus. Und zwar durch Minimalismus: Hauptsächlich wird das Instrumental von summenden Gesangsharmonien getragen, das erinnert ein wenig an etwas, was Kendrick Lamar oder Frank Ocean machen könnten. Dazwischen setzen Klavier, Bass und Gitarre vereinzelt ein paar simple, aber wohlplatzierte Akzente, die Drums bleiben spärlich. Dem Mainstream folgt das nicht, aber der Song geht trotzdem schnell ins Ohr.
Entgegen oder mit dem TikTok-Zeitgeist?
Definitiv kein typischer Song, der sich einfach nur dazu eignet, als catchy Sound in TikToks geklatscht zu werden. Daher überrascht der schnelle Erfolg der ersten Single vielleicht. Auf der Plattform sind schließlich geringe Aufmerksamkeitsspannen angesagt. Yosho weiß aber, dass man trotz dieses schnelllebigen Zeitgeistes auch mit eigenwilliger Kunst die Aufmerksamkeit der Gen Z erreichen kann: „Wenn man ihnen die Chance gibt, sich tiefer zu befassen, sich einzulassen auf die Musik, dann werden sie darauf auch eingehen“. Es bleibt spannend, wo Yoshos musikalischer Weg ihn in Zukunft noch hinführt!
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