Filow und Frauenarzt veröffentlichen gemeinsamen Song „Atze seit Tag 1“
Atze – ein Begriff, der eigentlich aus dem Berliner Dialekt kommt, aber in den 2000ern schnell Verbreitung im Hip-Hop-Slang gefunden hat. Schuld daran sind Frauenarzt und Manny Marc. Zwei Urgesteine der deutschen Rap-Szene, die erst im Rahmen der gemeinsamen Crew Bassboxx und später dann als Die Atzen eine dreckige, explizite Fusion von Hip-Hop mit Elektro-Sounds propagierten. In den frühen 2010ern war dann aber Schluss mit Disco Pogo, stattdessen dominierten Artists wie Kollegah, Farid Bang und Haftbefehl die Szene mit spürbar härteren Sounds. Aber der Atzen-Rap feiert ein Comeback, in Berlin und in der ganzen Republik. Teil des großen Revivals sind Rapper:innen wie Ski Aggu, Ikkimel, PA69 – und natürlich Filow.
Zwischen Twitch und Deutschrap-Szene
Felix Nier alias Filow ist eigentlich Twitch-Streamer und Content Creator, den man regelmäßig im Dunstkreis von befreundeten Creatoren wie Papaplatte oder Reeze sieht. Seit 2022 veröffentlicht Filow aber auch eigene Musik, die angetrieben von seiner Internet-Bekanntheit, schnell erfolgreich wird. Während seiner ersten Songs noch nach Trance und Hyperpop klingen, kommt der bisher größte Erfolg dann erst im Rahmen der EM. Kurz nach Anpfiff veröffentlicht Filow seinen Song „Rasenschach“, der direkt zum Hit wird und inzwischen beinahe 10 Millionen mal gestreamed wurde. Mit überzogenem Berliner Dialekt, Techno-Beat und expliziten, ironischen Lyrics tritt Filow das Erbe der ersten Atzen-Generation an – und das geht auch am Godfather dieser Nische nicht vorbei.
Vor einigen Tagen nimmt Filow in einem Livestream einen neuen Song auf und postet direkt ein Snippet von „Atze seit Tag 1“ auf Instagram. Dabei markiert er Frauenarzt, ohne sich groß Hoffnung zu machen, dass dieser die Skizze sieht, geschweige denn reagiert. Aber genau so sollte es kommen: Frauenarzt slidet dem Streamer in die Dms, fragt nach dem Beat und schickt wenig später eine eigenen Part zurück. Was als Scherz begann, ist inzwischen ein fertiger Song, den Filow und Frauenarzt am Freitag veröffentlicht haben.
Zwei Welten treffen aufeinander
„Atze seit Tag 1“ bringt dabei alles mit, was ein Deutschrap-Song in den frühen 2000ern gebraucht hat: 303-Beats, Phonk-Cowbells und viel Ego-Gepushe. „2001, ich erblick das Welt / Ich habe Haare an den Eiern, in der Hose ist ein Zelt / Ich riech nach Bleu de Chanel / Ich hab blöde viel Geld“, eröffnet Filow seinen Part, wenig später gefolgt von Frauenarzt: „Kappi uffm Kopp, die Sonnenbrille inne Fresse / Seit Tag 1, da gab’s dit was du grade hörst nur auf Kassette“. Ein surreales Aufeinandertreffen von zwei verschiedenen Welten, das so vor einigen Jahren wohl niemand vorausgesagt hätte, das hier aber erstaunlich clean über die Bühne geht.
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