Goldroger surft auf „Wellenlängen“ Richtung neue Musik
Endlich wieder Goldie-Season! Knapp zwei Jahre haben wir nichts gehört von dem Rapper aus Köln – aber diesen Urlaub hat er sich auch reichlich verdient. Schließlich hat Goldroger von 2019 bis 2021 richtig rangeklotzt und jedes Jahr einen neuen Teil seiner „Diskman Antishock“-Saga veröffentlicht. Mit dieser Serie brach Goldroger starre Formate wie Album oder EP auf und erschuf gemeinsam mit den eindrucksvollen Visualisierungen einen eigenen, fantasievollen Kosmos. Seit die „Diskman Antishock“-Trilogie 2021 vollendet wurde, scheinen im stillen Kämmerchen neue kreative Ideen gereift zu sein – die Goldroger nun endlich mit der Welt teilt. Am Freitag erschien die neue Single „Wellenlängen“ als Startschuss für ein neues Kapitel bei Goldie, auch musikalisch gesehen.
Auch wenn der Rapper sowieso nie vor unkonventionellen Stilmitteln und melodischen Elementen zurückgeschreckt hat, so kann man doch guten Gewissens sagen: Wir haben Goldroger selten so poppig gehört, wie auf „Wellenlängen“. Und das im bestmöglichen Sinn: Der Text des neuen Songs ist mit typischer Goldroger-Handschrift verfasst, statt gespitteten Flows gibt es diesmal aber fast ausschließlich gesungene Passagen. Goldie singt die Zeilen so mühelos, als müsse er nur der unsichtbaren Melodie folgen, die die Silben sowieso vorgeben: Text und Musik verfließen zu einer untrennbaren Symbiose.
Wellen sterben nie
Über rollenden Breakbeats und Indie-Gitarren, natürlich wie immer von Dienst&Schulter sowie moran. und Thani, rappt Goldroger von den titelgebenden Wellen – die eben nie ganz ausklingen, sondern immer wieder aufs Neue in den universellen Kreislauf der Energie übergehen. Gewissermaßen erinnert das ein wenig an „Waves“, jenen Song, wegen dem Kanye West anno 2016 sein sehnlichst erwartetest „The Life Of Pablo“ ein weiteres Mal verschob. „Waves don’t die“, hieß es schon damals, Goldroger dagegen verpackt es dagegen so: „Die Vögel vor mei’m Fenster singen ein Lied / das vor Milliarden Jahren der Urknall schrieb“. Die geniale Poesie hinter Zeilen wie der folgenden entfaltet sich, wie so oft bei Goldroger, erst nach mehrmaligem Hören – und erinnert einen daran, was man in den vergangenen zwei Jahren schmerzlich vermisst hat.
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