„Grau“: Erste gemeinsame Single von Apsilon und Paula Hartmann
Am 1. August veranstalteten Apsilon und Paula Hartmann ein Benefizkonzert in Berlin, dessen Einnahmen an den Cadus e.V. gingen, der humanitäre Nothilfe in Kriegs- und Krisengebieten wie Gaza oder der Ukraine leistet. Mehr als 33.000 Euro konnten so gesammelt und gespendet werden. Neben diesem guten Zweck war ein Highlight die Performance der ersten gemeinsamen Single der Berliner Künstler:innen. Heute erscheint das Feature „Grau“ nun auch offiziell. Rapper Apsilon teilt so auch den nächsten Track seines Debütalbums „Haut wie Pelz“, das Anfang Oktober erscheinen wird.
Graue Welt
„Hier hat Gott nicht mit Beton gegeizt / Will uns nicht zu oft die Sonne zeigen / Benzingeruch liegt auf der Haut / Wie die Blicke von der Polizei“: Direkt mit der ersten Strophe malt Apsilon ein deprimierendes Bild von urbaner Aussichtslosigkeit. Im Video sind es Kinder, die dieser Triestesse ausgesetzt sind. Während einer Flucht vor der Polizei zeigt sich aber deren Zusammenhalt. Denn auch wenn ihre Welt durch Diskriminationen wie Racial Profiling eingeschränkt wird, setzt „Grau“ den Fokus auf ihre Resilienz. Ein kleines Leuchtfeuer der Hoffnung gegen diese graue Welt, das Kinder durch eigentliches Unwissen darstellen. Denn den sozio-politischen Hintergründen, die so eine unsinnige Verfolgungsjagd hervorgerufen haben, können sich Kinder in dem Alter noch nicht bewusst sein. Trotzdem prägen sie ihr Leben und schränken ihre Freiheit ein. Dass sie sich aber nicht unterkriegen lassen und sich gegenseitig helfen, zeugt von einer eigentlich unglaublichen Widerstandsfähigkeit. Diese unterstreicht Apsilon mit dem Kontrast der Storyline einer aufkeimenden Freundschaft zwischen den beiden Hauptprotagonist:innen. „Hände aus Seide, Augen aus Stahl / Hoff‘, dass du nicht fragst / Gib mir die Hand, wir schau’n auf die Stadt / Alles ist grau, unnormal“.
Dabei scheint die Geschichte des Videos von eigenen Erfahrungen des Rappers inspiriert zu sein. Denn einer der beiden Hauptprotagonist:innen wird im Abspann mit dem Namen „Junger Arda“ kreditiert, was Apsilons bürgerlicher Vorname ist. Dieser kommentiert die Geschehnisse im Video mit der Hook: „Ich weiß, hier unten ist es grau / Aber vielleicht gefällt es dir ja auch / Komm, wir steigen auf ein Parkdeck / Gucken runter auf das Chaos bis zum nächsten Morgengrau’n“.
Das Morgengrauen
„Grau“ ist wie „Lost in Berlin“, der ersten Singleauskopplung von „Haut wie Pelz“, ein sehr persönlicher Einblick in Ardas Leben und Aufwachsen in Berlin. Es betont die negativen Seiten genauso wie es die schönen Momente hervorhebt. Paula Hartmann reiht sich mit ihrem intensiven Part dabei perfekt in diese Ambivalenz von deprimierender Realität und aspirativen Wertschätzen ein. „Ich werde das Tor zum Himmel zutreten / Damit ihr lernt, besser hier unten zu leben“.
Das gewaltige Instrumental stammt von Arman, Bazzazian und Biztram und unterstreicht in seiner gleichermaßen epischen und doch gefühlsbetonten Klangwelt wieder die Extremen, die „Grau“ jetzt schon zu einem Highlight des kommenden Albums machen dürften.
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