Großer Rock-Sound aus Leipzig: Atlas Bird veröffentlichen ihr Debütalbum
Wenn man völlig unwissend das selbstbetitelte Debütalbum von Atlas Bird hört, würde hinter diesem brachialen Stadion-Rock wohl niemals ein Duo erwarten. Tatsächlich verstecken sich hinter den internationalen klingenden Songs aber nur die beiden Leipziger Martin Schröder-Zabel und Axel Kunz, die gemeinsam mit Produzent Franz Plasa aus wenig viel machen.
Schon seit 2016 machen die beiden gemeinsam Musik und haben seitdem diverse Singles und die beiden EPs „Escapia“ und „Dua Lux“ veröffentlicht. Schon auf diesen beiden Projekten schafften es Schröder-Zabel (Gitarre, Gesang) und Kunz (Drums, Klavier), Atlas Bird größer klingen zu lassen, als eine Zwei-Mann-Armee. Die Songs klingen damals nach vollem Rock-Sound, mit dramatischen Melodien und international anmutendem Gesang auf Englisch.
Diese grundsätzliche Ausrichtung bleibt auf dem brandneuen Debütalbum „Atlas Bird“ weitestgehend erhalten, trotzdem war es dem Duo wichtig, sich an manchen Stellen neu zu erfinden. Mut zum Pop ist hier das Stichwort, Atlas Bird klingen eingängiger als je zuvor, ohne ihre DNA verloren zu haben. In Zusammenarbeit mit Franz Plasa entstanden hier zehn Songs, die den großen Rock-Sound erhalten, aber an den richtigen Stellen auch um elektronisches Gefrickel anreichern.
Große Klänge, große Bilder
Ein gutes Beispiel dafür ist der Song „Fine Line“, der zwischen den verzerrten, mächtigen Gitarren-Riffs immer wieder digital knistert und flimmert. Oder „Lovers & Leaves“, der mit seinen Synthesizern und treibenden Beats erstaunlich tanzbar ausfällt. Auch die Bildwelt von Atlas Bird begeistert: Für das Musikvideo zu „Kiss Away“ entstand gemeinsam mit Schauspielerin Verana Noll eine kunstvolle Performance in den Räumlichkeiten der Baumwollspinnerei in Leipzig. Und für die finale Single vor Albumrelease, „Francis International“, sind Atlas Bird nach Schweden gefahren, um in den Wäldern an der Westküste beeindruckende Aufnahmen einzufangen.
Das Selftitled-Debüt von Atlas Bird umarmt den Pathos und das ständige Spiel zwischen dramatischen Hooks und der zarten Stille dazwischen. Dabei würde man zu jedem Zeitpunkt eine volle Band hinter diesem Sound erwarten – umso beeindruckender, dass Martin Schröder-Zabel und Axel Kunz dieses Album zu zweit auf die Beine gestellt haben.
Das neue DIFFUS Print-Magazin
Titelstory: Ikkimel
Auch im Heft: Noah Kahan, Baran Kok, Josi, Robyn, Philine Sonny und Apsilon.
Dazu große Reportagen über die Vaporwave-Szene in Deutschland, die extreme Metal-Szene in Subsahara-Afrika oder das Rap-Projekt „HaftBars“ in einer Berliner Jugendstrafanstalt.