Haerts gestalten auf dem neuen Album ihre „Dream Nation“
„Dream Nation“ – so wird Amerika oft bezeichnet. Ein Paar, für das die Gleichung des American Dream definitiv aufgegangen ist, sind die gebürtigen Münchener:innen Nini Fabi und Ben Gebert, besser bekannt unter dem Namen Haerts.
Die beiden sind nach New York ausgewandert und haben dort begonnen, Musik zu veröffentlichen. Genretechnisch schwimmen sie zwischen verträumtem Indie-Pop und -Folk mit Anleihen der 70er und 80er Jahre, der mit seinen atmosphärischen Elementen und dem schwermütigem Sound absolut einzigartig klingt.
Gerade erst haben die Musiker:innen ihr drittes Album „Dream Nation“ veröffentlicht. Inhaltlich dreht sich das Werk wie bereits angedeutet um die niemals sterbende Hoffnung, dass alles besser werden kann – und den American Dream. Das Album wurde in einer unglaublichen Zeit von nur einem Monat aufgenommen und überzeugt neben elf Kernsongs auch und vor allem mit fünf Liveaufnahmen.
Haerts – Drift Away
Eine dieser Aufnahmen aus den Valentine Studios in Los Angeles ist der Song „Drift Away“. Nini nimmt ihre Hörerschaft mit ihrer kraftvollen, außergewöhnlichen Stimme vollkommen ein und erzeugt eine sehnsuchtsvolle Stimmung. Es ist so ein Song, wie er in Filmen oft im Hintergrund läuft, wenn das Leben des:r Protagonist:in gerade den Bach runtergeht und er:sie sich noch einmal an die alten Zeiten erinnert, in denen alles in Ordnung war. Inhaltlich handelt er, wie der Titel „Drift Away“ bereits verrät, von dem schmerzhaften Phänomen, wenn sich zwei Personen voneinander entfernen und weg driften, ohne dass man so richtig weiß warum.
Aber auch die Studioaufnahmen auf dem Longplayer haben es in sich. So kommt „For the Sky“ mit plätschernden Hintergrund-Melodien und Synths daher. Er handelt davon, wie die Zeit unaufhaltsam vorbei fließt und man aufpassen muss, dass sie nicht völlig davonrennt.
Haerts – For the Sky
Im Musikvideo zu „For the Sky“ scheint die Sängerin buchstäblich in dem Himmel zu sein, von dem sie singt. Denn mit den sphärischen Szenen, die an Wärmebildkameras erinnern, strahlt die Musikerin an vielen Stellen wie eine Heilige, die das irdische Leben bereits hinter sich gelassen hat.
„Comeback“ und „No Shame“ sind ruhigere Songs und besonders letzterer scheint nicht mehr als ein Klavier zu benötigen. Er handelt von einem Verlust im Leben und ist tief berührend. Besonders der bewusst monotone Einsatz der Stimme von Nini Fabi trägt die ganz besondere Stimmung des Songs und scheint die Zeit anzuhalten: „There’s no shame / Now that it’s over / You’re loosing the light / Just for a moment / From your shadows untied”
Das Album beweist wieder einmal, dass es höchste Zeit wird, Haerts auch in Deutschland die Aufmerksamkeit zu schenken, welche die Band verdient. International erfreut sich das Duo schon seit seiner ersten Single „Wings“ großer Bekanntheit – nicht zuletzt durch ihre Songplatzierungen in „13 Reasons Why“, einem Auftritt auf dem Coachella und Touren mit unter anderem London Grammar oder Shout Out Louds.
Hört hier rein in „Dream Nation“:
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