Hard In Here – die besten Metal-Alben 2023
Trespasser – Αποκάλυψισ
Der:die eine oder andere mag Trespasser vielleicht aus dem großen Feature zu Red And Anarchist Black Metal (RABM) in der ersten Diffus-Printausgabe kennen. In dieser Liste hier sind die Schwed:innen aber nicht nur, weil sie stabile Genoss:innen sind, sondern weil sie auch eines der stärksten Black-Metal-Releases des Jahres rausgehauen haben. „Αποκάλυψισ“ („Apokálypsis“) ist ein rasendes Epos voller Schlachtgesänge zum Klassenkampf. Vier Jahre nach ihrem durchschlagenden Debütalbum „ЧОМУ НЕ ВИЙШЛО?“ heben Trespasser RABM hier mit roher Aggression, hymnischen Hooks, fetter Produktion sowie historischen und theologischen Referenzen auf ein neues Level.
Agriculture – Agriculture
Die Newcomer des Jahres! Agriculture kamen aus dem Nichts und machten es sich direkt in der ersten Reihe der besten Metal-Releases des Jahres bequem. Ihr „Ecstatic Black Metal“ ist eine Feier des Lebens und erinnert stellenweise an Liturgy oder die frühen Deafheaven. In ihrer Experimentierfreude bietet uns die Band auf ihrem Debütalbum mehr Abwechslungsreichtum als viele andere in ihrer ganzen Karriere, überlädt jedoch nichts mit nutzloser Effekthascherei. Und zwischen all der wilden Ekstase ist und bleibt das Quasi-Interlude „The Well“ eine der schönsten Indie-Balladen 2023.
Body Void – Atrocity Machine
May I present: Das wohl fieseste Album 2023. Body Void lassen auf ihrem vierten Album „Atrocity Machine“ dröhnend und lärmend all den Frust und Hass auf diese aus den Fugen geratene Welt raus. Mal surren und brausen die Electronics wie ein aufgebrachter Wespenschwarm, mal knüppelt alles erbarmungslos auf uns ein wie ein Cop mit ausgeschalteter Body Cam. Diese Dissonanz und Feindseligkeit muss man aushalten können, aber im Vergleich zu unserem weltpolitischen Alltag wirkt das schon gar nicht mehr so extrem.
Mizmor – Prosaic
Liam Neighbors geht es nicht mehr um Gott. Auf dem ersten Mizmor-Album, das sich nicht mit dem Verlust seines Glaubens befasst, richtet der Multiinstrumentalist seinen Blick mehr denn je auf sich selbst und sein Streben nach Erfüllung – und hat damit eines der stärksten Alben seiner musikalischen Karriere geschaffen. Das meditative Ansteigen und Abflauen zwischen furiosem Black Metal und getragenem Doom hat Mizmor mittlerweile perfektioniert. Dass wir noch einiges von Neighbors zu erwarten haben, bewies er außerdem unter anderem mit seiner Kooperation mit Portugal. The Man für die Black-Metal-Version des Songs „Doubt“.
Divide And Dissolve – Systemic
Divide And Dissolve haben das seltene Talent, ganz ohne Worte mehr vermitteln zu können als die meisten anderen Bands. Das indigen-australische Duo platziert seinen experimentellen Instrumental-Drone-Doom ganz bewusst in einem antikolonialistischen, antifaschistischen Rahmen, und diese politische Aufgeladenheit spürt man in jeder Sekunde ihres neuen Albums „Systemic“. Statt mit Verzweiflung und Wut konfrontiert uns die Band mit Lebenskraft und Hoffnung, in ihrer Komplexität vertont durch mahlstromartige Riffs, schepperndes Drumming und dissonante Saxofonparts.
Noch mehr grandiose Metal-Releases aus 2023 gibt’s in der Hard in Here Playlist:
Christina Wenig ist Redakteurin, Journalistin und Fotografin aus Berlin. Für Magazine wie Visions und Metal Hammer schreibt sie über Metal, Hardcore und Artverwandtes; auf ihrem Instagram-Kanal teilt sie Live-Eindrücke aus verschwitzten Clubs und sinniert über Feminismus, Antifaschismus, Filme und ihren Hund.
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