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Hard In Here – mit City Of Caterpillar, Stake und Ellende

Posted in: Hard in Here

City Of Caterpillar – Mystic Sisters

What a time to be alive: Innerhalb weniger Monate haben Botch einen neuen Song veröffentlicht, My Chemical Romance in Deutschland Reunion-Shows gespielt (zugegeben etwas weiter unten auf der Subkultur-Coolness-Skala) und nun gibt es auch noch ein brandneues Album von City Of Caterpillar! Grund genug für alle Millenials also, die Skinny Jeans mal wieder aus dem Schrank zu kramen. Kurze Auffrischung: Bei City Of Caterpillar handelt es sich um eine legendäre, wenn auch sehr kurzlebige Screamo-Band aus Virginia. Es wurde 2002 lediglich ein Album veröffentlicht, dann folgte die Auflösung – und jetzt mit 20-jähriger Verspätung endlich der Full-Length-Nachfolger.

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Nun klingen City Of Caterpillar natürlich nicht mehr exakt wie vor 20 Jahren, das wäre ja auch irgendwie albern. Ich muss hier wohl den verhassten Musikjourno-Standard „gereift“ bemühen, denn man hört „Mystic Sisters“ an, dass diese Typen hier schon ein bisschen gelebt haben. Von den absurd langen Songtiteln, die um die Jahrtausendwende in vielen Ecken der Post-Hardcore-, Mathcore- und Screamo-Szene sehr angesagt waren, hat man sich verabschiedet, die Dissonanz, Vertracktheit und Verzweiflung in den Songs sind geblieben.

„Mystic Sisters“ enthält die Art von Musik, die sehr viele Attribute heraufbeschwört: chaotisch, sphärisch, experimentell, viszeral, herausfordernd. Der langsam anschwelende achtminütige Album-Opener „Thought Drunk“ offenbart bereits, dass City Of Caterpillar das Wechselspiel aus meditativen Post-Rock-Parts und rasenden Ausbrüchen nicht verlernt haben – und dann ist man bereits mittendrin, im Auge des Sturms.

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Stake – Love, Death And Decay

Eins muss man Stake lassen: Langweilig wird’s mit den Jungs nicht. Von der Umbenennung von Steak Number Eight (uff) bis hin zu den Drehungen und Windungen ihres aktuellen sechsten Albums schüttelt die Band immer wieder neue Überraschungen aus dem Ärmel. Auch wenn wir bislang noch nie so richtig warm miteinander geworden sind, trägt das dazu bei, dass ich sie doch immer zumindest im Augenwinkel habe. Der Titeltrack eröffnet „Love, Death And Decay“ ganz in der Tradition ihrer Landsmänner Amenra als Post-Metal-Monolith (damit ist meine Aufmerksamkeit ja schonmal gesichert), bevor sich das Album zwischen Prog-Metal und 90’s Alt-Rock in Trance rifft. Nicht jedes Experiment ist hier ein Volltreffer, manche Klangfarben stehen Stake deutlich besser als andere, was aber nicht so viel ausmacht, wenn man durch die Genres galoppiert wie etwa in „Deliverance Dance“.

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Ellende – Ellenbogengesellschaft

Ich bin enttäuscht. Trugen die letzten beiden Ellende-Alben noch die wundervoll dramatisch-morbiden Titel „Todbringer“ und (das quasi synonyme) „Lebensnehmer“, hielt man nun „Ellenbogengesellschaft“ für die beste Wahl – ein Titel, den ich so dermaßen unsexy finde, dass ich das zugehörige Album eigentlich gar nicht hören wollte. Hab ich dann aber glücklicherweise doch gemacht und nicht bereut, denn so hab ich nun immerhin meinen aktuellen Sad-Girl-Autumn-Soundtrack gefunden. Schon lange ist das Quasi-Ein-Mann-Projekt aus Graz ein verlässlicher, doch schmerzlich unterbewerteter Front Runner im deutschsprachigen Black Metal, und Album Nummer vier beweist erneut, warum. Melodisch-melancholisches Riffing, Düsterlyrik, Klavier- und Akustikparts: It’s giving seasonal depression, and I’m here for it.

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OFF! – Free LSD

Da will es Keith Morris mit fast 70 noch einmal wissen: Acht Jahre nach ihrem letzten Album hat mein liebster Hardcore-Punk-Opa zusammen mit Dimitri Coats (Ex-Burning Brides) OFF! aus dem Grab gehoben, um eine Runde zu experimentieren. Anders als noch auf ihren ersten beiden Alben hat sich die Band hier nicht einfach dem kurzweiligen, aber wenig originellen Circle-Jerks- und Black-Flag-Gedächtnissound verschrieben. „Free LSD“ kommt mit improvisierten Interludes samt Free-Jazz-Saxofon daher, die Songs sind durchzogen von Electronica-Schichten, die ihnen Textur und Tiefe verleihen. Man wollte eher „Miles Davis mit Herbie Hancock und den Headhunters“ als „Milo Goes To College“, erklärt Morris dazu. Das ist so psychedelisch und experimentell wie Hardcore Punk eben sein kann, passend dazu auch der Albumtitel, das Konzept rund um Aliens und Verschwörungstheorien und das Artwork, das traditionell von Underground-Legende Raymond Pettibon gestaltet wurde.

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Die Hard in Here Playlist:

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Christina Wenig ist Redakteurin, Journalistin und Fotografin aus Berlin. Für Magazine wie Visions und Metal Hammer schreibt sie über Metal, Hardcore und Artverwandtes; auf ihrem Instagram-Kanal teilt sie Live-Eindrücke aus verschwitzten Clubs und sinniert über Feminismus, Antifaschismus, Filme und ihren Hund.

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