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Hard In Here – mit Hexis, BlackBraid und Divide And Dissolve

Posted in: Hard in Here

Verlosung: 2×2 Tickets für Divide And Dissolve in Berlin

First things first: Mit „Gas Lit“ haben Divide And Dissolve 2021 eines meiner Alben des Jahres veröffentlicht. Die reine Existenz dieses antikolonialistischen und antikapitalistischen indigenen Duos aus Australien ist ein Akt des Widerstands in der männlich und weiß geprägten Metal-Szene. Ihr Drone-Doom ist eine Meditation auf den Zustand unserer Gesellschaft und der Erde, auf der wir leben – Protestmusik, die ganz ohne Worte auskommt.

Ich hatte das Glück, Divide And Dissolve dieses Jahr bereits zwei Mal live erleben zu dürfen – und dieses Glück möchte ich mit euch teilen: Ihr könnt hier 2×2 Tickets für die Show am 1.12.22 im Urban Spree Berlin gewinnen. Sendet dazu einfach eine Mail mit eurem Vor- und Nachnamen sowie dem Betreff „Gas Lit“ an verlosung@diffus.de.

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Hexis – Aeternum

Fünf Jahre haben sich Hexis Zeit genommen, um in „Aeternum“, ihr bislang stärkstes Album, hineinzuwachsen. Das dänische Duo verortet sich mit seinem dritten Langspieler weiterhin im Spannungsfeld von Black Metal, Hardcore und Sludge. Dabei klingen Hexis auch heute noch ganz schön wie ihre französischen Kollegen Celeste – aber das ist ja nicht das Schlechteste. Ich vergebe einer Band durchaus, dass sie das Rad nicht neu erfindet, wenn das Ergebnis so intensiv und mitreißend ist wie das hier. In den zwölf Tracks verstecken sich außerdem so einige Details, die aus bewährten Schemata ausbrechen und „Aeternum“ zu einem kurzweiligen Vergnügen machen.

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BlackBraid – BlackBraid I

In linken Black-Metal-Kreisen (ja, die gibt es wirklich) führt aktuell kein Weg an BlackBraids Debütalbum „BlackBraid I“ vorbei. Keine Angst: Der Name mag zwar irgendwie unangenehm nach „Fluch der Karibik“ klingen, dahinter verbirgt sich jedoch ein hervorragendes indigenes Ein-Mann-Black-Metal-Projekt aus den US-amerikanischen Adirondacks. Naturverehrung inmitten epischer Klangwelten ist ja etwa im Appalachian Black Metal nichts Neues, der Multi-Instrumentalist Sgah’gahsowáh verleiht der Sache jedoch seinen ganz eigenen Twist. Mit einem Fuß im USBM und dem anderen fest in seiner Kultur und Geschichte verankert (man höre nur das Flöten- und Tremolopicking-Mashup „Sacandaga“), hat er etwas komplett Neues geschaffen. Und ich zumindest kann mich nicht erinnern, wann ich zuletzt ein so fett produziertes Debüt eines independent Solo-Künstlers gehört habe.

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Weil dieser Text nicht ewig lang werden soll, sie aber trotzdem alle Aufmerksamkeit der Welt verdient haben, möchte ich hier noch die großartigen neuen Singles „Dire And Sulk“ von Glassing (noisy Post-Hardcore meets Black Metal) und „A Fen Fire / Saturnine” von Ernte (traditioneller Black Metal aus der Schweiz) erwähnen. Klare Hörempfehlung gibt es auch für das neue Gudsforladt-Album „Friendship, Love And War“ (folkloristisch angehauchter Ein-Man-Battle-Black-Metal aus L.A.).

Der Fall Scott Kelly

Jetzt kommt der schwierige Part: In einem ziemlich verstörenden (mittlerweile gelöschten) Statement gestand Scott Kelly ein, seine Familie langfristig und systematisch missbraucht, manipuliert und bedroht zu haben. Kelly ist als Mitgründer der Post-Metal-Institution Neurosis bekannt und nebenbei noch in zahlreichen anderen Projekten aktiv; seine Musik bedeutet unzähligen Menschen (mich eingeschlossen) sehr viel.

In der Vergangenheit hatte der Musiker öfters von seinen psychischen Problemen, seiner Suchterkrankung und Fehlern im Umgang mit seinem persönlichen Umfeld gesprochen. Das wahre, bis heute anhaltende Ausmaß blieb jedoch verborgen. Er behauptete nun, sich als Konsequenz seines Handelns komplett aus der Öffentlichkeit zurückzuziehen und erklärte seine musikalische Karriere für beendet. Er hat wohl kaum eine andere Wahl: Seine (ehemaligen) Bandmitglieder von Neurosis, Absent In Body und Mirrors For Psychic Warfare distanzierten sich in sehr klaren Worten von ihrem einstigen „Bruder“ und verurteilten auch seine Fanboys und -girls, die seinem „Mut“ und seiner „Offenheit“ noch applaudierten, anstatt das augenscheinlich zutiefst verstörte Individuum hinter der jahrelangen Maskerade zu erkennen.

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Trauer um sein nun für immer beflecktes oder gar zerstörtes musikalisches Erbe, um den Verlust eines früheren persönlichen Helden, scheint trivial und unangebracht im Angesicht des Leids, dass Scott Kelly seiner Familie angetan hat. Ich möchte hier keine laienhaften psychiatrischen Diagnosen aufstellen. Ich wünsche Kelly und seinem Umfeld, dass er die Hilfe bekommt, die er dringend benötigt, und ich denke nicht, dass das mit einem öffentlichen Publikum funktionieren wird, das sein Ego füttert. Viel mehr als alles andere zerbreche ich mir jedoch darüber den Kopf, ob da nicht doch schon lange klare Zeichen waren, die einfach niemand sehen wollte.

Botch – One Twenty Two

Ich habe keinen Bock, mit so einem Thema abzuschließen, deswegen gibt’s hier noch den ersten neuen Botch-Song seit 20 Jahren! Leider scheint es das aber auch erstmal wieder gewesen zu sein: „One Twenty Two“ ist lediglich ein Bonustrack für die Reissue ihres 1999er Mathcore-Meilensteins „We Are The Romans“. Die Hoffnung auf eine richtige Reunion stirbt jedoch zuletzt.

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Christina Wenig ist Redakteurin, Journalistin und Fotografin aus Berlin. Für Magazine wie Visions und Metal Hammer schreibt sie über Metal, Hardcore und Artverwandtes; auf ihrem Instagram-Kanal teilt sie Live-Eindrücke aus verschwitzten Clubs und sinniert über Feminismus, Antifaschismus, Filme und ihren Hund.

Die Hard in Here Playlist:

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