Hard In Here – mit Kreator, Collapsed Skull und Astral Spectre
Kreator – Hate über alles
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Kreator sind die Scooter des deutschen Metal: Muss man nicht mögen, man kann ihren Erfolg und Einfluss jedoch nicht leugnen – und zumindest live gehen doch irgendwie alle dazu ab. Die Band ist bei weitem nicht die einzige aus der Thrash-Welle, die Anfang der Achtziger die Nation überflutete, die noch musikalisch aktiv ist. Sie gehört aber doch zumindest zu den wenigen davon, die man noch mit gutem Gewissen hören kann und mag, weil sie sich nicht ständig über „Cancel Culture“ und sonstige Nicht-Probleme echauffieren. Stattdessen macht sich Bandkopf und Metal-Sweetheart Mille Petrozza unter anderem lieber für Tierrechte und gegen Homophobie stark – gesellschaftskritisch ist er in seinen Songs ja sowieso so ziemlich immer. Wenn das neue Album dann auch noch so charmant „Hate über alles“ (die Dead Kennedys lassen grüßen) getauft wird, kann man doch eigentlich gar nicht mehr nein sagen.
Nun ist auf Album Nummer 15 (!) natürlich nicht zu erwarten, dass Mille & Co. den Thrash neu erfinden. (Geht das überhaupt?) Heißt aber nicht, dass „Hate über alles“ nicht trotzdem Spaß macht. Allein der eröffnende Titelsong knallt alle Zweifel hemmungslos weg; dass Kreator keine Angst vor Experimenten haben und am Puls der Zeit leben, zeigen sie unter anderem auf „Conquer And Destroy“ mit Drangsal und „Midnight Sun“ mit Sofia Portanet am Mikro. Also wenn schon Thrash, dann doch bitte so.
Mehr über Kreator könnt ihr übrigens in unserer aktuellen Titelstory mit Mille und Alligatoah erfahren.
Aaron Turner – To Speak
Ja gut, das ist streng genommen kein Metal, aber mit den Kategorisierungen nehme ich es hier eh nicht so ernst – um ein Zitat vom Metalhead der Woche Mille zu bemühen: „Diese ganzen Genrebegriffe haben wenig mit der Realität zu tun, das sind Marketingbegriffe, die erfunden wurden, damit die Leute sich im Plattenladen zurechtfinden.“
Nun also zu Aaron Turner: Der:die geneigte Hörer:in kennt ihn vor allem als Gitarristen und Sänger der Post-Metal-Institutionen Sumac und früher Isis. Mit „To Speak“ veröffentlicht er nun sein drittes Album unter eigenem Namen und widmet sich darauf der freien Improvisation auf der Gitarre, die seit Jahren immer mehr seines künstlerischen Schaffens einnimmt. Uneingeschränkt von den Limitierungen der Worte erkundet Turner hier Klang- und Gefühlsräume und erschafft damit ein meditatives Album, das atmet und bebt, wenn man es nur lässt.
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Collapsed Skull – Eternity Maze
Wenn Dylan Walker an irgendwas beteiligt ist, kann es nur gut werden. Der umtriebige Fronter der experimentellen Extreme-Metal-Maniacs Full Of Hell hat mit Collapsed Skull ein neues Nebenprojekt aus dem Boden gestampft, dass mit der EP „Eternity Maze“ ganz überraschend seine Existenz manifestiert hat. Neben ihm gehören Jordan Skipper und Ex-Full-Of-Hell-Mitglied Brandon Brown zur Band, der aktuell bei der Grindcore-Formation Jarhead Fertilizer aktiv ist.
So manisch man sich diese Kombo vorstellt, so klingt sie auch: Powerviolence meets Hip-Hop-Samples; Blastbeats, kreischendes Feedback und noch kreischendere Shrieks überschlagen sich förmlich. Inhaltlich geht es deutlich expliziter gesellschaftskritisch zu als bei Full Of Hell: Collapsed Skull schildern das Leben als ewiges Irren in einem Labyrinth der Unterdrückung, aus dem es keinen Ausweg gibt.
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Astral Spectre – Phantom Nightmare
Ist man ein bisschen auf Bandcamp unterwegs, steckt man schnell bis zum Hals in einer Menge solider, aber doch irgendwie egal-obskurer Black-Metal-Projekte. Zuletzt hat mich hier Astral Spectre aufhorchen lassen – ein deutsches Ein-Mann-Pandemie-Projekt, das Black und Heavy Metal mit Retro-Rock kombiniert und gerade sein erstes Album „Phantom Nightmare“ veröffentlicht hat. Das klingt alles ganz wunderbar old-school und lo-fi (die klassische Kelleraufnahme eben), aber auch nicht wie die drölfte Kopie der Kopie.
Okkulte Texte, psychedelisches Synth-/Orgel-Gegniedel, großspuriges Heavy-Metal-Riffing, Twin-Gitarren und verhalltes Gegrunze: Nichts an Astral Spectre ist subtil – und gerade das macht die Sache so unterhaltsam. Sollte das Ganze jemals live vor Publikum gespielt werden, ist der Abriss auf jeden Fall vorprogrammiert.
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Christina Wenig ist Redakteurin, Journalistin und Fotografin aus Berlin. Für Magazine wie Visions und Metal Hammer schreibt sie über Metal, Hardcore und Artverwandtes; auf ihrem Instagram-Kanal teilt sie Live-Eindrücke aus verschwitzten Clubs und sinniert über Feminismus, Antifaschismus, Filme und ihren Hund.
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