Hard In Here – mit Sore Dream, An Autumn For Crippled Children und Trhä
Sore Dream & Hisham Akira Bharoocha – s/t
Ich weiß nicht, wem ich dieses Album in welcher Situation empfehlen würde, denn eigentlich ist es ziemlich unangenehm. Deconstructed noise und distorted electronics pushen das Anxiety-Level auf drölf, von wirklichen Songs kann hier nicht die Rede sein. „Wenn ihr die Tracks hört, möchten wir, dass ihr eine Welt visualisiert, die von innen heraus zerrissen wird“, heißt es in der Pressemitteilung. Sounds about right.
Sore Dream ist das Ambient-/Electronic-Nebenprojekt von Full Of Hells Dylan Walker und Spencer Hazard, mit Hisham Akira Bharoocha haben die beiden nun einen fähigen Drummer mit ins Boot geholt, der ihre fiebertraumhaften Visionen noch verstörender und einnehmender macht – wer hätte das für möglich gehalten? Mit Metal hat das an sich nicht viel zu tun, aber dieses Level an Härte und Intensität soll ihnen erstmal jemand nachmachen.
An Autumn For Crippled Children – Closure
Es ist ja kein besonders gutes Zeichen, wenn eine Band ein neues Album ankündigt und man nur denkt „Schon wieder?“ Vor allem, wenn man ihr damit so sehr unrecht tut wie An Autumn For Crippled Children, denn die Niederländer sind definitiv einer der beständigen Qualitätsgaranten im Blackgaze. Mit „Closure“ veröffentlicht die anonyme Band ihr zehntes Album in 13 Jahren – und genau das ist das Problem. Denn zehn gute Alben wiegen leider einfach nicht so schwer wie fünf hervorragende.
„Closure“ ist ein wunderschön-verträumtes Werk über Liebe und Verlust; gleichsam Balsam und Zerreißprobe für die Seele. Wird hier jedoch etwas Anderes, Neueres gesagt als vor ein paar Jahren schon auf etwa „Eternal“ oder „Try Not To Destroy Everything You Love?“ I doubt it. Nichtsdestotrotz: Wer AAFCC noch nicht kennt, bekommt hier einen super Anlass, sich mit der Band vertraut zu machen, und alle anderen eine solide Ergänzung für die Blackgaze-Playlist.
Trhä – lhum’ad’sejja
Da die großen Releases gerade auf sich warten lassen, können wir mal wieder ins Bandcampverse abtauchen. Dort hat uns Trhä mit nicht einem, nicht zwei, nein, gleich drei neuen Releases auf einmal beglückt: „lhum’ad’sejja“, „rhejde qhaominvac tla aglhaonamëc“ und „im ëmat gan líeshtam namvajno“. Wie man den Spaß ausspricht und was er bedeuten soll, weiß niemand bis auf den mysteriösen Musiker, der Tolkien-mäßig einfach seine eigene Sprache erfunden hat. Deswegen werden die Alben jetzt schon liebevoll die Rote, Blaue und Lilafarbene genannt.
Jedes der drei Lo-fi-Releases brilliert mit diversen Facetten im Sound des obskuren und höchst produktiven Ein-Mann-Projekts – bisschen Ambient, bisschen Dungeon Synth, jede Menge Depressive und Raw Black Metal mit kreativen Überraschungsmomenten. Mit der Roten hat Trhä eines seiner bislang besten Alben veröffentlicht, das genau den Sweet Spot zwischen Genie und Wahnsinn trifft. Think early Liturgy goes Kerker.
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Cady – Forged From The Sun
Auf dieses Release habe ich lange gewartet. Also, wirklich sehr lange. Das britische Trio Cady hat zehn Jahre gebraucht, um sein erstes Album zu veröffentlichen, aber hat sich gelohnt. 2019 hat erstmals die EP „Silence Will Not Protect You“ mein Interesse erregt, die massiv von Audre Lorde beeinflusst ist und später als Soli-Tape für die BLM-Bewegung und gegen den US-Bullenstaat rereleased wurde. Guter Ausgangspunkt.
„Forged From The Sun“ ist ein Must-listen für die Emoviolence-/Post-Hardcore-/Screamo-Kids da draußen. Getaucht in metallische Schwärze und Härte malen Cady hier mit wilden Pinselstrichen ein äußerst düsteres Bild, in dem kaum Platz für Hoffnungsschimmer ist. Die reine Wucht und Dynamik, mit der uns die Band ihre Verzweiflung um die Ohren haut, ist auf jeden Fall bemerkenswert.
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Hier gehts zur Hard in Here Playlist:
Christina Wenig ist Redakteurin, Journalistin und Fotografin aus Berlin. Für Magazine wie Visions und Metal Hammer schreibt sie über Metal, Hardcore und Artverwandtes; auf ihrem Instagram-Kanal teilt sie Live-Eindrücke aus verschwitzten Clubs und sinniert über Feminismus, Antifaschismus, Filme und ihren Hund.
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