DIFFUS

Hard In Here – Women Of Punk: Die feministischen Wurzeln des Genres

Posted in: Hard in Here

Der März ist ein ziemlich durchwachsener Release-Monat bislang, was aber gar nicht schlimm ist, denn das bietet die Möglichkeit für eine thematische Sonderausgabe, yay! Immerhin ist ja nach wie vor Women’s History Month und das soll natürlich auch bei Hard In Here gewürdigt werden. So weit es denn geht.

Denn blickt man aus feministischer Perspektive auf die Beginne der Gitarrenmusik, ist das oft ernüchternd: Im Blues und Rock’n’Roll gab es zwar Pionierinnen wie Sister Rosetta Tharpe und Memphis Minnie, in der Geschichtsschreibung werden die jedoch meist vergessen. Dank Elvis und den Beatles wurden musikinteressierte Frauen primär als kreischende Fangirls wahrgenommen, im hypermaskulinen Hard Rock und Heavy Metal dann oft noch weiter zu Groupies degradiert.

Kurz gesagt: Die Anfangstage der meisten Rock-Strömungen waren sehr geprägt von Männern und Sexismus. Frauen waren als aktive Teilhaberinnen der Szenen eine ziemliche Seltenheit. Aber das änderte sich – zumindest ein bisschen – mit der Punk-Bewegung, die sich in den Siebzigern in den USA und Großbritannien entwickelte.

Punk, das hieß Nonkonformität, Rebellion und Gesellschaftskritik – eine Ablehnung der etablierten Werte und ein Ausbrechen aus dem in den Siebzigern in vielerlei Hinsicht grausig ausschauendem Alltag, der vor allem in Großbritannien von Wirtschaftskrisen, einem Erstarken der Rechten und Perspektivlosigkeit geprägt war. No future, eben.

In diesem Klima fanden erstmals auch Frauen einen Platz, um sich musikalisch auszudrücken. Rock- und Proto-Punk-Ikonen wie Patti Smith, Suzi Quatro, The Runaways und Chrissie Hynde von den Pretenders öffneten einer ganzen Generation von Frauen die Türen, erstmals nicht nur Fans oder mit etwas Glück Sängerinnen zu sein, sondern Instrumentalistinnen, Songwriterinnen und selbstbestimmte Künstlerinnen.

Was für ein musikalisches Erdbeben das auslöste, sei hier mal an drei Bands verdeutlicht, die sich allein im Jahr 1976 in London gegründet haben:

Siouxsie And The Banshees

Wie viele britische Punk-Bands der ersten Stunde entstand Siouxsie And The Banshees im Umfeld von und inspiriert durch die Sex Pistols. Ästhetisch und musikalisch setzte die Band jedoch bald selbst ganz neue Maßstäbe. Songs wie „Spellbound“ und „Happy House“ sind heute Klassiker und Sängerin Siouxsie Sioux eine absolute Punk- und Goth-Ikone.

Hier wäre eigentlich etwas eingebettet. Du hast aber Embed und Tracking deaktiviert.

Zur Optimierung unseres Angebots nutzen wir Cookies, Google Analytics und Embeds von Seiten wie YouTube, Instagram, Facebook, Spotify, Apple Music und weiteren. Mit dem Klick auf "Jetzt aktivieren" stimmst du dem zu. Mehr Informationen findest du in unserer Datenschutzerklärung.


The Slits

Wie sich The Slits – ebenso wie viele andere (Post-)Punk-Bands – Reggae und Dub zu eigen machten, ist heute vielleicht nicht mehr besonders zeitgemäß, ihr rohes Debütalbum „Cut“ ist dennoch ein Meilenstein des Genres. Sängerin Ari Up war zum Zeitpunkt der Bandgründung gerade einmal 14 Jahre alt.

Hier wäre eigentlich etwas eingebettet. Du hast aber Embed und Tracking deaktiviert.

Zur Optimierung unseres Angebots nutzen wir Cookies, Google Analytics und Embeds von Seiten wie YouTube, Instagram, Facebook, Spotify, Apple Music und weiteren. Mit dem Klick auf "Jetzt aktivieren" stimmst du dem zu. Mehr Informationen findest du in unserer Datenschutzerklärung.


X-Ray Spex

Ebenso wenig wie Frauen sollte man die People of Color vergessen, die in so ziemlich jedem Genre Pionierarbeit geleistet haben. Kaum eine Band hat etwa das feministische und antikapitalistische Potential der ersten Punk-Welle so gut verkörpert wie X-Ray Spex um Frontfrau Poly Styrene. Der Song „Oh Bondage! Up Yours!“ wird bis heute als eine Art Proto-Riot-Grrrl-Hymne gefeiert.

Hier wäre eigentlich etwas eingebettet. Du hast aber Embed und Tracking deaktiviert.

Zur Optimierung unseres Angebots nutzen wir Cookies, Google Analytics und Embeds von Seiten wie YouTube, Instagram, Facebook, Spotify, Apple Music und weiteren. Mit dem Klick auf "Jetzt aktivieren" stimmst du dem zu. Mehr Informationen findest du in unserer Datenschutzerklärung.


So toll das auch alles klingt: Gleichberechtigung in der Musikszene war damit noch lange nicht erreicht. Während Punk vielen Frauen künstlerische Teilhabe ermöglichte, berichtet etwa Viv Albertine von The Slits, dass die All-Female-Band von ihren männlichen Kollegen weder ernstgenommen noch respektiert wurde. Diese Attitüde änderte sich auch mit der Riot-Grrrl-Bewegung der Neunziger nur marginal.

Und heute? Sieht Punk irgendwie schon wieder ganz schön weiß und cishet-männlich aus. Zeit für eine neue musikalische Revolution.

Hier wäre eigentlich etwas eingebettet. Du hast aber Embed und Tracking deaktiviert.

Zur Optimierung unseres Angebots nutzen wir Cookies, Google Analytics und Embeds von Seiten wie YouTube, Instagram, Facebook, Spotify, Apple Music und weiteren. Mit dem Klick auf "Jetzt aktivieren" stimmst du dem zu. Mehr Informationen findest du in unserer Datenschutzerklärung.


Christina Wenig ist Redakteurin, Journalistin und Fotografin aus Berlin. Für Magazine wie Visions und Metal Hammer schreibt sie über Metal, Hardcore und Artverwandtes; auf ihrem Instagram-Kanal teilt sie Live-Eindrücke aus verschwitzten Clubs und sinniert über Feminismus, Antifaschismus, Filme und ihren Hund.

Cover neues DIFFUS Magazin

Das neue DIFFUS Print-Magazin

Titelstory: Ikkimel

Auch im Heft: Noah Kahan, Baran Kok, Josi, Robyn, Philine Sonny und Apsilon.
Dazu große Reportagen über die Vaporwave-Szene in Deutschland, die extreme Metal-Szene in Subsahara-Afrika oder das Rap-Projekt „HaftBars“ in einer Berliner Jugendstrafanstalt.