Hard to Watch: Grim104 war noch „Nie So Cool“
Sechs Minuten und fünfzehn Sekunden dauert der norddeutsche Fiebertraum, welcher Grim104 im Musikvideo zur Single wahr werden lässt. Rein gehts – natürlich – mit dem Geständnisvideo des damals noch 17-jährigen. Vielleicht war aus heutiger Sicht der Berentzen-Raub von 2005 auch einer der Hauptgründe Zetel Richtung Berlin zu verlassen und der entscheidene Butterfly-Effect, welcher Grim und Testo zusammenbrachte, um uns später viele schöne zugezogen maskuline Momente zu bereiten. Aber das ist alles Mutmaßung!
Grim104: 20 Jahre nach dem Berentzen-Raub
Durch „ein Machtwort des Bürgermeisters“ ging es dann am 8. November endlich für Grim104 auf die friesische Kirmes zurück. Die ersten Minuten des Musikvideos zeigen das Zeteler Schauspiel. Am Meer und im Wald trifft Grim sehnsüchtig auf nordisches Bildbuchwetter – feucht, grau und eine steife Brise. Die Zeteler Innenstadt wartet dann überraschend gloomy im Neonlicht der Fahrgeschäfte auf. Der Stranger-Things-Look passt auch zum Argwohn der Budenbesitzer:innen – Zetel vergisst nicht!
„Nie So Cool“: zehn Minuten Cringe
Alles, was danach kommt, verdient das Prädikat „Hard to Watch“. Gelinde gesagt scheinen im Backstage des Flessner Festzelts nicht alle Beteiligten Grims Wiedergutmachung aktiv mitzugestalten. Zehn Minuten Playtime werden es dann aber doch, samt angekündigter „once in a lifetime Erfahrung“! Zum Beispiel wurde im Festzelt wahrscheinlich das erste Mal bei einer Anmod on stage gegendert, oder auch das erste Mal einstimmig „Pfui“ unterm gestickten Sternenhimmel des Zeltes geschrien.
Vielleicht haben Lines wie „Ich komm aus dem Dorf wie doof von mir“ die Meute dann doch etwas zu sehr befeuert. Wer etwas länger zugehört hätte, hätte den Stadtkritik-Plottwist dann vielleicht noch rausgehört: „Doch die unabänderliche Wahrheit steht geschrieben in Stein / Ich werde bis ans Ende aller Tage cooler als ihr sein“. An dieser Stelle auch nochmal danke Admiral Klatsch (Ikkimel Voice) für die Produktion dieses astreinen Bangers. Vielleicht folgt ja die Analyse nochmal irgendwann versöhnlich im Dorfkrug.
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