DIFFUS

„Hart schuften!“: 8 Rapsongs für den Tag der Arbeit

Posted in: Listen

Celo & Abdi – Über Wasser Halten

Es gibt kaum einen besseren Song, um diesen Artikel zu beginnen: Celo & Abdi samplen in ihrem 2012 veröffentlichten Track nämlich einen Klassiker des inofiziellen Working Class Soundtracks: „When The Weekend Comes“ von Bobby Womack. Der beschreibt den täglichen Struggle mit diesen Lines ziemlich treffend: „I don’t mind working from nine to five / ‚Cause I got to keep my family fed.“ Celo & Abdi übertragen das nun auf ihre einstige, fiktionalisierte Lebensrealität und erzählen von einem „Doppelleben“, das so aussieht: „Baustelle in Kauf neh’m, 8 Stunden hart schuften / Nach Feierabend weiter machen und dann Drugs pushen / Everyday I’m hustlin‘, über Wasser halten.“ Bedeutet: Das Geld reicht hinten und vorne nicht, trotz harter körperlicher Arbeit, deshalb wird nach der Schicht noch Shit vertickt „mit ei’m Bein in der Knastzelle / Monatslohn an Anwälte, Strafgelder, Ratenzahlung / Strom und Wohnung, was bleibt noch dann zum Atmen.“

Hier wäre eigentlich etwas eingebettet. Du hast aber Embed und Tracking deaktiviert.

Zur Optimierung unseres Angebots nutzen wir Cookies, Google Analytics und Embeds von Seiten wie YouTube, Instagram, Facebook, Spotify, Apple Music und weiteren. Mit dem Klick auf "Jetzt aktivieren" stimmst du dem zu. Mehr Informationen findest du in unserer Datenschutzerklärung.


LIZ feat. Schwesta Ewa– Skyline Stories

Bleiben wir im Raum FFM: Wer auch nur einmal in Frankfurt am Main in Bahnhofsnähe unterwegs war, weiß, wie krass dort Arm und Reich aufeinander krachen. LIZ und Schwesta Ewa erzählen in ihren „Skyline Stories“ zwar vom Dealen und vom Straßenstrich, aber das Thema „Klasse“ schwingt in jeder Zeile mit. „Der Banker im Anzug hat die Nase voll mit Flex / Die Tasche voll mit Geld, doch zahlt ’nen schlechten Preis für Sex“, heißt es in der zweiten Strophe – und im Refrain: „Chayas checken ein in Lobby / Geben dir für dreißig Doggy“. Da kann man sich die fünf oder vier Sterne des Hotels gleich mitdenken. Auch die Konsequenz des Machtverhältnisses ist deutlich: Wenn es eine Berufsgruppe gibt, die überproportional viele Arschlöcher versammelt und der Gesellschaft in den letzten Jahren massiven Schaden zugefügt hat, dann waren das ja wohl die Banker. Aber wer kriegt die Verachtung ab? Die Dealer:innen und Sexarbeiter:innen, die von den Bankern auch noch abgespeist werden.

Hier wäre eigentlich etwas eingebettet. Du hast aber Embed und Tracking deaktiviert.

Zur Optimierung unseres Angebots nutzen wir Cookies, Google Analytics und Embeds von Seiten wie YouTube, Instagram, Facebook, Spotify, Apple Music und weiteren. Mit dem Klick auf "Jetzt aktivieren" stimmst du dem zu. Mehr Informationen findest du in unserer Datenschutzerklärung.


Disarstar – Rolex für alle

Keine Liste mit Songs über Klasse und Arbeit ohne Disarstar! Schon seit seinen ersten Songs 2014 beschreibt er mit scharfem Blick die gesellschaftlichen Missstände, vor seiner Haustür in Hamburg St. Pauli, aber auch im größeren Kontext von weltweitem Kapitalismus. Sich für einen Song zu entscheiden, fällt demenstprechend schwer, der Mann hat schließlich ein ganzes Album mit dem griffigen Namen „Klassenkampf & Kitscht“ betitelt. Unsere Wahl fällt hier trotzdem auf aktuelleres Material: „Rolex für alle“, der Titeltrack des gleichnamigen Albums aus dem letzten Jahr. Der Titel ist hier Programm, denn selten hat Disarstar seinem Ärger über die herrschenden Verhältnisse so explizit Luft gemacht wie auf diesen 13 Songs. „Rolex für alle“ ist dabei nicht nur ein starker Slogan, sondern fast schon ernstgemeinte Forderung, die in der hymnischen Hook ausformuliert wird: “Geflüchtete bleiben / Vor niemand verneigen / Die Chance ergreifen / Für bessere Zeiten / Milliardäre enteignen / Rolex für alle, Rolex für alle!“. Diese Zeilen sind wie gemacht für die Sprechchöre auf Demos am 01. Mai und eigentlich auch an jedem anderen Tag.

Hier wäre eigentlich etwas eingebettet. Du hast aber Embed und Tracking deaktiviert.

Zur Optimierung unseres Angebots nutzen wir Cookies, Google Analytics und Embeds von Seiten wie YouTube, Instagram, Facebook, Spotify, Apple Music und weiteren. Mit dem Klick auf "Jetzt aktivieren" stimmst du dem zu. Mehr Informationen findest du in unserer Datenschutzerklärung.


Sookee feat. Shirlette Ammons – Who owns HipHop?

Obwohl Rap natürlich von Anfang eine Musik des Kampfes um Rasse und Klasse war und das Flexen von Statussymbolen dort nicht zu vergleichen ist mit dem Schaulaufen der Reichen und Schönen, ist das Business inzwischen natürlich auch ein durch und durch kapitalistisches System – und zwar ein von Männern dominiertes. Sookee (ach was vermissen wir den Rap von Sookee) hat deshalb schon 2014 die Frage gestellt, die am Anfang eines jeden Klassenkampfes steht: Wem gehört eigentlich was und warum? „Who owns HipHop“ ist ein intelligenter Blick auf die Machtverhältnisse im Rap: „Wem gehört HipHop? Wer darf auf die Stage? Wer kontrolliert das Mic? Wer feiert den Fake? Was sagt der A&R? Wer blockiert den Range?“ Tja, wer eigentlich?

Hier wäre eigentlich etwas eingebettet. Du hast aber Embed und Tracking deaktiviert.

Zur Optimierung unseres Angebots nutzen wir Cookies, Google Analytics und Embeds von Seiten wie YouTube, Instagram, Facebook, Spotify, Apple Music und weiteren. Mit dem Klick auf "Jetzt aktivieren" stimmst du dem zu. Mehr Informationen findest du in unserer Datenschutzerklärung.


Kendrick Lamar, Thundercat, George Clinton – Wesley’s Theory

Themen wie Rassismus, Klasse und die Musikindustrie ziehen sich durch nahezu alle Teile der Kendrick Lamar-Diskographie, aber selten wurde es so treffend und innovativ verarbeitet wie auf seinem modernen Klassiker-Album „To Pimp A Butterfly“. Der Albumtitel bezeichnet, mal ganz grob heruntergebrochen, das Konzept, dass schwarze Künstler:innen, die durch die Musik ihr Potential erreichen, so wie sich Raupen zu Schmetterlingen verwandeln, von der Musikindustrie ausgenutzt oder quasi zugehalten (to pimp) werden. Obendrein zelebriert das Album schwarze Musik, nicht nur Hip-Hop, sondern auch alten Jazz und Funk – so kann etwa schon der Opener „Wesley’s Theory“ mit Features von Thundercat und George Clinton glänzen. In der ersten Strophe träumt ein junger Kendrick davon, was er sich alles kaufen wird, wenn er ein erfolgreicher Musiker ist. Seine alten Ziele, wie seine Heimat, seine Community in der Hood und die Armut dort zu präsentieren und zu unterstützen, vergisst er und gibt sich dem Materialismus hin. Die zweite Strophe hingegen ist aus der Sicht von Uncle Sam: Eine Figur, die als klassisches Nationalsymbol der USA den American Dream verkörpert – aber eben auch den Kapitalismus. Und natürlich ist er ein alter, weißer Mann, der Kendrick anpreist, was er alles erreichen kann. Zwischendurch meldet sich Kendricks alter Mentor Dr. Dre bei ihm und erinnert ihn daran, dass alle erfolgreich werden können – das Schwierige ist, diesen Erfolg zu behalten.

Hier wäre eigentlich etwas eingebettet. Du hast aber Embed und Tracking deaktiviert.

Zur Optimierung unseres Angebots nutzen wir Cookies, Google Analytics und Embeds von Seiten wie YouTube, Instagram, Facebook, Spotify, Apple Music und weiteren. Mit dem Klick auf "Jetzt aktivieren" stimmst du dem zu. Mehr Informationen findest du in unserer Datenschutzerklärung.


Ansu – 9 to 5

„9 to 5“. Zwei Zahlen und ein unscheinbares Bindewort, die für einen bedeutenden Teil unserer Gesellschaft ihren Arbeits- und damit auch Lebensrhythmus diktieren. Fünf Tage die Woche, acht Stunden ackern, ein Leben lang – wer hat sich den Scheiß eigentlich ausgedacht? Der Hamburger Rapper Ansu hat jedenfalls keine Lust auf diesen Lebensweg: „Nein, nein, kein‘ Bock auf Nine to Five / Investier lieber anders die Zeit / Hab‘ mich noch nie eingereiht / Nein, nein, kein‘ Bock auf Nine to Five / Ich mach lieber Mula mit Lines“. Im scheppernden Trap-Banger „9 to 5“ rappt Ansu darüber, dass er keinen Sinn im Leben nach System sieht. Im Modell „Schule-Ausbildung-Arbeit“ fühlt er sich deplatziert und auch an dem erwirtschafteten Geld liegt ihm nichts: „Du bist gefangen, ist egal ob du reich bist / Geh‘ meinen eigenen Weg, das ist priceless“. Ansu ist nicht faul, im Gegenteil, er hat ein echtes Hustler-Mindset und teilt sich seine Zeit lieber selbst ein. Ein Privileg, das bisher vor allem Kreativen und Freelancer:innen vorbehalten ist – aber die Zeiten ändern sich und der starre Status Quo wird zunehmend aufgebrochen. Corona hat unser Alltags-Vokabular ja schon um den Begriff „Home Office“ erweitert – vielleicht gesellt sich ja irgendwann auch mal „Work-Life-Balance“ dazu.

Hier wäre eigentlich etwas eingebettet. Du hast aber Embed und Tracking deaktiviert.

Zur Optimierung unseres Angebots nutzen wir Cookies, Google Analytics und Embeds von Seiten wie YouTube, Instagram, Facebook, Spotify, Apple Music und weiteren. Mit dem Klick auf "Jetzt aktivieren" stimmst du dem zu. Mehr Informationen findest du in unserer Datenschutzerklärung.


Apache – Schimmel in der Villa

Vor ein paar Wochen droppte der Ludwigshafener Lokalheld ganz überraschend seine Single „Schimmel in der Villa“. Damit lieferte Apache endlich wieder knallharte Bars, statt Pop-Hooks wie zuletzt mit dem Überhit „Komet“ gemeinsam mit Udo Lindenberg. Und wie der Titel schon andeutet, geht es hier nicht um die Blocks in der Gartenstadt, dem Viertel in dem der Rapper aufgewachsen ist, sondern um den neuen Reichtum und die Riesenvilla. Doch metaphorisch gesprochen, bröckeln selbst umgeben von Reichtum manchmal die Wände um ihn herum und der sogenannte Schimmel kommt zum Vorschein – Geld hin oder her. Dieser erinnert Apache an seine nicht ganz so rosige Kindheit zurück und daran, woher er kommt. Besonders deutlich und emotional wird es dann in folgenden Zeile, die den Aufstieg in das neuen Leben von Apache klar machen: „Es fühlt sich komisch an, dass nie mehr Mutters Hände Toiletten putzen / Mit dem Gewissen, dass sie jetzt Mütter von Fremden putzen„. Mit seinem Erfolg als Musiker ist Apache zu einer Person geworden die inzwischen selbst Putzkräfte beschäftigen kann – ein Verhältnis, das ihn unweigerlich mit seiner Vergangenheit und dadurch auch mit sozialer Ungleichheit konfrontiert.

Hier wäre eigentlich etwas eingebettet. Du hast aber Embed und Tracking deaktiviert.

Zur Optimierung unseres Angebots nutzen wir Cookies, Google Analytics und Embeds von Seiten wie YouTube, Instagram, Facebook, Spotify, Apple Music und weiteren. Mit dem Klick auf "Jetzt aktivieren" stimmst du dem zu. Mehr Informationen findest du in unserer Datenschutzerklärung.


Sleaford Mods – Jobseeker

Ob man Sleaford Mods wirklich puren Hip-Hop nennen kann, ist nochmal eine andere Debatte. Die Beats bewegen sich zwischen obskurer Electronica und Punk, die Performance des Sängers (?), Rappers (?), naja, der Person mit dem Mikro in der Hand, Jason Williamson, orientiert sich weniger an klassischen Flows, sondern eher an wütenden Spoken Word-Rants. Das passt in „Jobseeker“ aber wunderbar, denn der Song dreht sich um eine Person, die keinen Job hat und auch keinen neuen sucht – aus purem Trotz und Ärger über die Arbeitswelt. Er hat keine Lust mehr, für einen Hungerlohn ausgenutzt zu werden, und kritisiert die Art und Weise, wie die Politik mit Arbeitslosen umgeht. Das Einzige, was er bekommt, ist eine Broschüre zum Thema „Depressionen“ vom Gesundheitssystem. Als er im Gespräch darauf hingewiesen wird, dass er eigentlich gute Positionen in seinen alten Jobs hatte, und gefragt wird, ob er sich nicht wieder um so einen Job bemühen wolle, ist seine Antwort: „Nah, I’d just end up robbing the fucking place“. Ebenfalls köstlich: Die Live-Performance bei Jools Holland, in der Jason sich die Seele aus dem Leib brüllt, während Produzent Andrew entspannt danebensteht, mit einer Hand in der Hosentasche, in der anderen ein Bier, und das Instrumental über seinen Laptop abspielen lässt.

Hier wäre eigentlich etwas eingebettet. Du hast aber Embed und Tracking deaktiviert.

Zur Optimierung unseres Angebots nutzen wir Cookies, Google Analytics und Embeds von Seiten wie YouTube, Instagram, Facebook, Spotify, Apple Music und weiteren. Mit dem Klick auf "Jetzt aktivieren" stimmst du dem zu. Mehr Informationen findest du in unserer Datenschutzerklärung.


Cover neues DIFFUS Magazin

Das neue DIFFUS Print-Magazin

Titelstory: Ikkimel

Auch im Heft: Noah Kahan, Baran Kok, Josi, Robyn, Philine Sonny und Apsilon.
Dazu große Reportagen über die Vaporwave-Szene in Deutschland, die extreme Metal-Szene in Subsahara-Afrika oder das Rap-Projekt „HaftBars“ in einer Berliner Jugendstrafanstalt.