„Hat sie nicht gesagt“: Ikkimel serviert harte Texte auf harten Beats
Ikkimels Musik knallt wie ein Baseballschläger in die Magengrube. Die obzönsten Szenen aus dem Berliner Nachtleben paart sie mit 2000er Techno-Beats und trägt sie mit einer der prägnantesten Stimmen vor, die die deutsche Rap-Szene in den letzten Jahren hervorgebracht hat. Dass ihre Musik diesen Schock-Faktor inne hat, scheint der Newcomerin durchaus bewusst zu sein. Vielleicht ist so der Titel ihr neuen EP zu erklären, mit der sie allen Empörten und Verstörten nochmal einen reindrückt: „Hat sie nicht gesagt?“ Doch, hat sie!
Ikkimel eckt an
Erst seit dem letzten Jahr veröffentlicht die Newcomerin aus Berlin-Tempelhof offiziell eigene Musik, zuvor war sie nur vereinzelt im Dunstkreis von einschlägigen Acts wie Tiefbasskommando oder Narciss aufgetaucht. Ihr erstes Tape „Aszendent Bitch“ wurde dabei schon mit einer Resonanz aufgenommen, von der manch andere noch nach Jahren träumen. Aber Ikkimel weiß eben, was sie tut, reizt beständig die Schmerzgrenze aus und dazu gehört dann eben auch ein explizites Weihnachtslied mit dem Titel „Sweet Baby Jesus“. Besagter Song findet sich nun auch auf ihrer neuen EP „Hat sie nicht gesagt?“, genauso auch „Bikini Grell“, „Fußballmänner“ und „Keta und Krawall“, ihr bisher erfolgreichster Song.
Gabber, Psy-Trance und Dirty Talk
Aber es gibt auch genügend neues Material für alle Jünger:innen von Mama Ikkimel. Gleich der Opener „Bezahlen“ scheppert mit derben Gabber-Beats von UHD rein und setzt sich auf etwas andere Art und Weise für die Gleichstellung der Geschlechter ein: „Egal ob sie oder er / Ich will ein Millionär / Egal ob they oder them / Er soll bezahlen!“. Der harte Sound legt im Vergleich zu Ikkimels bisherigem Schaffen nochmal eine Schippe drauf und dürfte allen gefallen, die sich unser aktuelles Print-Heft mit Brutalismus 3000 auf dem Cover bestellt haben.
Für den Titeltrack „Hat sie nicht gesagt“ tut sich Ikkimel dann mit Retardo zusammen, der sonst vor allem für Tiefbasskommando produziert. Auf den verbliebenen zwei Tracks geht der Techno-Zirkus weiter, kombiniert mit Ikkimels eigenwilliger Form von Selbstermächtigung: „Setz mich aufs Gesicht / Damit er nicht mehr sprechen kann“. Diesen expliziten Humor muss man lieben oder hassen, wer allerdings befürchtet hat, die Newcomerin würde sich nach ihrem Major-Signing von der Musikindustrie weichspülen lassen, kann beruhigt aufatmen: Ikkimel nimmt immer noch kein Blatt vor den Mund.
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