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In Gedenken an Oury Jalloh: Acht Songs zum 20. Todestag

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Am 07. Januar 2005 wurde der damals 36-jährige Oury Jalloh tot und schwer verbrannt in seiner Zelle im Polizeirevier Dessau aufgefunden. Ein forensisches Gutachten von 2019 zeigt, dass sein Körper vor seinem Tod schwer misshandelt wurde. Auch 20 Jahre später gelten die ungeklärten Umstände seines Todes als einer der größten Justizskandale in Deutschland. Wie kann ein Mensch in Gewahrsam der Polizei auf so grausame Art und Weise umkommen? Der Fall Oury Jalloh treibt viele Menschen noch bis heute um und ist zu einem Mahnmal geworden. Es gibt eine eigene Initiative, diverse Bücher, Theaterstücke, Filme – und viel Musik. Zu Jallohs 20. Todestag findet ihr in dieser Liste acht Songs, die seine Geschichte weitererzählen.


Megaloh, Trettmann, KITSCHKRIEG – Herb & Mango

Dass die Kombination aus den Rappern Trettmann und Megaloh nicht nur den perfekten Kiffer-Soundtrack ergibt, beweist ihr gemeinsamer Song „Herb & Mango“ von 2017. Trettmann und Megaloh sind zwar auf Herb und Mango, aber keineswegs friedfertig. Stattdessen begeben sie sich auf einen Rachefeldzug und erinnern an historische Figuren wie Hat Turner, der in den 1830er Jahren in den USA einen Sklavenaufstand anführte: „Das ist für Turner, Garner, Sandra Bland, Tamir Rice, Michael Brown, Oury Jalloh und für Kunta Kinte“. Außerdem gedenken die Beiden weiteren Opfern von Polizeigewalt wie dem 12-jährigen Tamir Rice, der 2014 in Cleveland von einem Polizisten erschossen wurde, Sandra Bland, die 2015 erhängt in einer Gefängniszelle aufgefunden wurde oder eben Oury Jalloh – auf das ihre Namen nicht vergessen werden. 

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3plusss – Phase II

Seine Anfänge hatte der Rapper 3plusss im Online-Rap-Turnier VBT. Hier teilte er in den 2010ern auf Dubstep-lastigen Beats gegen Konkurrenten wie Battleboi Basti oder Weekend aus, immer mit Augenzwinkern und dem sprichwörtlichen Schalk im Nacken. Seit 2015 macht 3plusss nun auch „richtige“ Musik und schreckt dabei auch nicht vor eigenen und gesellschaftlichen Abgründen zurück. Gleich auf dem ersten Song seines zuletzt erscheinen Albums „weine jetzt, lache später“ rappt 3Plusss: „Und will Deutsche Wohnen enteignen und dass ihr die NSU-Akten freigebt / Und wo wir schon dabei sind: Oury Jalloh, das war Mord! Kassel, Halle, Hanau und so weiter!“.

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Apsilon – Taugenichts

Einer der größten Hoffnungsträger für politische Musik in Deutschland ist zur Zeit ganz klar Apsilon. Auf seinem Debütalbum „Haut wie Pelz“ aus dem letzten Jahr erzählt er von der Migrationsgeschichte seiner Großeltern, dem Rechtsruck in der Gesellschaft und der Zerrissenheit zwischen dem eigenen Heimatland und dem der Vorfahren. Zum Fall Oury Jalloh äußerte sich Apsilon schon 2022, auf seiner ersten EP „Gast“ und dem Song „Taugenichts“: „alle leben die Verfassung / Aber sag‘ ich „Mord an Oury Jalloh“ / Verlier’n alle sofort ihre Fassung“.

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Nura – Niemals Stress mit den Bullen

Ein Song, der seit seiner Veröffentlichung 2021 wohl auf den meisten Demos gegen Rechts zu hören ist, ist „Niemals Stress mit den Bullen“ von Rapperin Nura. Im Song spannt sie den Bogen zwischen Alltagsrassismus, rechter Gewalt und all den Nuancen dazwischen. Hart und humorvoll zugleich lässt Nura ihre eigenen Erfahrungen als POC in den Song einfließen und entblößt damit vermeintlich nett gemeinte Aussagen als Rassismen. Insbesondere, wenn Ironie und Ernsthaftigkeit in kürzesten Abständen zueinander stattfinden, hat das Wirkung, wie in dieser Zeile, die den Mord an Oury Jalloh thematisiert: „Ich flirte am Pegida-Stand, die waren alle aggro / Und wurde nicht geklärt, wie der Mord an Oury Jalloh“. 

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Danger Dan – Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt

Die Antilopen Gang ist für viele der Inbegriff von linkem Rap – auch wenn sie mit ihrem Song „Oktober in Europa“ letztes Jahr eine regelrechte Kontroverse in der Szene ausgelöst haben. So oder so war es eine angenehme Überraschung als Danger Dan 2021 das Gruppenkonstrukt kurzzeitig für ein Solo-Projekt eintauschte, mit der irrwitzigen Mission, Deutschrap und Piano-Chanson zu vereinen. Angeführt wurde das Album vom großartigen Titeltrack „Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt“, in dem Danger Dan zeigt, was man mit einigen rhetorischen Verrenkungen so alles sagen darf in Deutschland. Während der Großteil des Songs behutsam im Konjunktiv geschrieben ist, gibt es zum fulminanten Finale nochmal Klartext: „Faschisten hören niemals auf, Faschisten zu sein / Man diskutiert mit ihnen nicht, hat die Geschichte gezeigt / Und man vertraut auch nicht auf Staat und Polizeiapparat / Weil der Verfassungsschutz den NSU mit aufgebaut hat / Weil die Polizei doch selbst immer durchsetzt von Nazis war / Weil sie Oury Jalloh gefesselt und angezündet hab’n / Und wenn du friedlich gegen die Gewalt nicht ankommen kannst / Ist das letzte Mittel, das uns allen bleibt, Militanz“.

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Enno Bunger – Wo bleiben die Beschwerden?

Dass auch deutsche Indie-Musik politisch aufgeladen sein kann und sollte, zeigt Singer-Songwriter Enno Bunger mit seinem 2015 erschienen Song „Wo bleiben die Beschwerden?“. Beim Blick auf Tragödien wie den Tod von Oury Jalloh oder den NSU-Morden, wird er fast schon zynisch: „Oury Jalloh war ein Zauberer laut Polizeibericht / Vollführte im Verborgenen sein größtes Meisterstück / Hat mit Händen und mit Füßen fixiert an Grund und Wand / Sich auf feuerfester Matte in Schutzhaft selbst verbrannt / Wie man von Einzelfällen sprechen kann? Ich werd‘ es nie verstehen / Es gibt Menschen, die das wollen, die das alles gerne sehen“. Im Chorus macht Enno Bunger dann unmissverständlich klar: Wir tragen selbst die Verantwortung, Konsequenzen aus diesen Taten zu ziehen. „Wo bleiben die Beschwerden? Warum lassen wir das zu? / Wir können was dafür, wenn wir nichts dagegen tun“.

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K.I.Z – Revolution

Eine wahr gewordene Rachefantasie in Form von bewaffnetem Widerstand ist der Bonustrack „Revolution“ vom 2013 erschienenen Mixtape „Ganz oben“ von K.I.Z. In ihrer typisch überspitzten Manier zeichnet die Berliner Rap-Gruppe das Bild einer anarchistischen Revolution, die den Sturz der herrschenden Klasse und Vergeltung für rassistische Gewalttaten bringen soll: „Bekennerschreiben gegen den Polizeistaat / Wir zünden Nagelbomben auf dem CDU-Parteitag / Die AK-47 sagt den Bullen Hallo (Pa-Pa-Pa) / Das hier ist für Oury Jalloh

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Yu – Moshpit 

Rapper Yu macht aus seiner antifaschistischen Gesinnung in seiner Diskografie kein Geheimnis. In „Moshpit“ hält Yu der Gesellschaft den Spiegel vor und zeigt, wie viele rassistischen und sexistischen Aussagen und Gewalttaten bis heute unbestraft und ungeklärt geblieben sind. Dafür paraphrasiert er lediglich die Aussagen von Politiker:innen, um sie in ihrer Absurdität zu entlarven: „Oury Jalloh hat gefesselt sich selber angezündet, ganz klar, so war’s, Polizeiapparat“. Sein Lösungsvorschlag? Moshpits gegen Rechts!

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Cover neues DIFFUS Magazin

Das neue DIFFUS Print-Magazin

Titelstory: Ikkimel

Auch im Heft: Noah Kahan, Baran Kok, Josi, Robyn, Philine Sonny und Apsilon.
Dazu große Reportagen über die Vaporwave-Szene in Deutschland, die extreme Metal-Szene in Subsahara-Afrika oder das Rap-Projekt „HaftBars“ in einer Berliner Jugendstrafanstalt.