DIFFUS

Ive in Berlin: 5 Dinge, die ihr nur auf K-Pop-Konzerten erlebt

Posted in: Listen

1. Die Hits gibt’s schon vor dem Konzert

Im koreanischen Pop ist man stolz auf seine Hits. Haupt-Singles werden bis zum Erbrechen promotet, mit aufwendigen Kurz-Videos angeteast, mit drölftausend TikTok-Videos inklusive Choreo-Challenge begleitet. Wenn die Single dann endlich veröffentlicht wird, gibt es oft live gestreamte Web- oder TV-Shows dazu und natürlich ein fett produziertes Video. Auch bei K-Pop-Konzerten spielen diese Hauptsingles eine große Rolle – logisch. Sie werden aber nicht einfach prominent in der Setlist platziert, sondern ballern schon vor Beginn der Show in ohrenbetäubender Lautstärke aus den Arena-Boxen. Bei Ive hörte man also schon eine halbe Stunde vor dem ersten Live-Song, wie die Menge den Ohrwurm „Love Dive“ sang …

Hier wäre eigentlich etwas eingebettet. Du hast aber Embed und Tracking deaktiviert. Jetzt aktivieren.

2. Das Publikum ist bunter, als ihr denkt – und hat einen Namen

Die K-Pop-Community ist trotz der Erfolge von Bands wie BTS oder Blackpink immer noch eine Bubble – wenn auch eine riesige (was man zum Beispiel daran merkt, dass Ive auf ihrer allerersten Welttournee gleich mal die größte Arena der Stadt buchen). Wer zum ersten Mal auf ein K-Pop-Konzert kommt, stellt dann das fest, was gestern auch bei Ive offensichtlich war: das Klischee, dass nur kreischende Teenie-Mädels K-Pop hören, ist Bullshit. Auch bei Ive war die Crowd queer, bunt, divers. Cute queere Boys, die beim Tanzen flexen als gäbe es kein morgen, waren ebenfalls zu sehen wie aufgekratzte Mädchen, die jeden Song mitsingen konnten, junge Männer Mitte zwanzig, die die Ive-Sängerinnen vielleicht ein wenig zu sehr anschmachteten und viele Mittzwanziger:innen, die eher aussehen wie eine Emo-Crowd. Vor eurem ersten K-Pop-Konzert solltet ihr außerdem immer checken, wie der offizielle Name für die Fans der Band lautet. Diese Fandom-Namen werden nämlich bei allen öffentlichen Auftritten gnadenlos durchgeritten – und wenn man zum Beispiel nicht weiß, dass die Fans von Ive „Dives“ heißen, bleibt man bei jeder zweiten Ansprache verwirrt zurück.

@mhoolan

liebse ohne sie zu kennen haha #kpop #berlin #IVE #fyp

♬ HEYA – IVE

3. Alle sind immer in Bewegung

K-Pop ist mehr als die Summe aus Musik und Gesang: Die Outfits, die Frisuren, die Mimik und vor allem die choreografierten Tanzbewegungen sind für die Fans und für die Live-Shows immens wichtig. Auch bei der Ive-Show sind alle permanent in Bewegung, sobald Musik läuft. Die Fans wiederum singen nicht nur mit, sondern üben sich oft zumindest im Handtanzen – was bedeutet, dass sie die Choreos der Songs mit den Händen und Armen performen, weil für die raumgreifenden Tanzschritte meistens der Platz fehlt. Bei Ive zündeten an diesem Abend vor allem die Choreos zu den Songs „Baddie“, „Accendio“, „HEYA“, „Love Dive“, „Kitsch“ und dem Opener „I Am“.

@luvsana.twice

This evening was really great, the girls were great and then they were so close. 🥹🩷 #ive #iveberlin #iveconcert #iveconcertberlin #kpop #fyp #kpopfyp

♬ Originalton – 𓍢 ִ ໋🌷֒𖹭 ִֶָ 𖥔 ࣪˖

4. Es wird viel geredet

Zugegeben: Selbst bei K-Pop-Fans sorgen die Talk-Elemente einer jeden Show hin und wieder immer noch für Cringe-Momente. Obwohl sie im Grunde ja nett gemeint sind. Dazu muss man wissen: Koreanische Bands haben in ihrer Attitüde immer eine Art Service-Gedanken. Sie tun alles für ihre Fans und wollen das immer wieder betonen. Außerdem pflegen sie bestimmte Manieren, könnte man sagen: Nach einem furiosen Intro und zwei bis drei Songs stellt sich jede K-Pop-Band erst einmal beim Publikum vor. Dass die Idols in der Regel natürlich schon „kennt“, ist in dem Moment erstmal egal. So war es natürlich auch bei Ive. Nach „I Am“, „Royal“ in einer Rock-Version und „Blue Blood“, stellten sich Yujin, Gaeul, Rei, Wonyoung, Liz und Leeseo persönlich mit kleinen Ansprachen vor.

Dabei machten sie leider das, was die meisten K-Pop-Acts auf ihren Touren tun: Sie versuchen sich an der jeweiligen Landessprache. Ansonsten wird aber oft erzählt, wie hart man sich vorbereitet hat und wie glücklich man ist, auf der ersten Welttournee sein zu dürfen. Diese Parts werden dann übrigens live übersetzt. Ja, richtig gelesen: K-Pop-Konzerte haben in der Regel eine Simultanübersetzerin.

@luvsana.twice

They so sweet, I can’t do anymore. 😭 So sweet how they tried to speak German 🩷 Wony: „Ich bin glücklihi 😊“ Liz: „Schweinehaxe 😌“ 😂 #popfyp #kpop #fyp #iveconcertberlin #iveconcert #iveberlin

♬ Originalton – 𓍢 ִ ໋🌷֒𖹭 ִֶָ 𖥔 ࣪˖

5. K-Pop feiert den „Kitsch“

K-Pop ist oft bunt, zuckrig, süß, grell – und im nächsten Moment lederbekleidet, düster, Goth-inspiriert. Die sechs Idols von Ive betraten die Bühnen zum Beispiel in mädchenhaften weißen Kleidern, trugen im zweiten Drittel viel schwarzes Leder und beendeten die Show in eigens für sie zurechtgestylten Shirts vom offiziellen Merch. Diese ästhetischen Stimmungsschwankungen machen im K-Pop aber irgendwie Spaß – ebenso wie die fehlende Scham vor kitschigen Momenten. Solange diese in einem höllisch-catchy klingenden Popsong serviert werden, kann man sich doch eigentlich nicht beschweren, oder?  Auch Ive feiern in vielen Songs den Kitsch – in einem ihrer besten tun sie das sogar ganz offensiv und nennen ihn „Kitsch“. Da könnt ihr jetzt gerne die Nase rümpfen, oder aber ihr hört einfach mal rein. Da werdet ihr vielleicht feststellen, was in der Uber Arena viele gemerkt haben: Ive haben einen Haufen Songs, gegen die man sich einfach nicht wehren kann.

Hier wäre eigentlich etwas eingebettet. Du hast aber Embed und Tracking deaktiviert. Jetzt aktivieren.

Das zweite DIFFUS Print-Magazin

jetzt bestellen

Große Titelstory: Brutalismus 3000. Außerdem: Interviews mit Paula Hartmann, Trettmann, Lena, Berq, Team Scheisse und vielen mehr.