„Jackass“ und die Sache mit der Sterblichkeit: Grim104 fühlt sich wie „Bam Margera“
Wer in den frühen Nuller-Jahren alt genug war, um über die heimische Fernbedienung zu MTV zu gelangen, musste früher oder später über „Jackass“ stolpern. In der kontroversen Show wurden Darsteller wie Bam Margera, Johnny Knoxville oder Steve-O bei Dummheiten, Stunts und Pranks gezeigt, bei denen euren Lieblings-Youtuber:innen nur so schlottern würden.
Eines dieser Kids, die da zu Beginn der 2000er hinter den Fernseher geklemmt saßen und dabei zuschauten, wie erwachsene Männer durch ein Minenfeld aus Mäusefallen krochen, war grim104. Über zwei Jahrzehnte später schaut der Zugezogen Maskulin-Rapper mit neuem Blick auf das Entertainment seiner Adoleszenz und veröffentlicht mit „Bam Margera“ einen Track über Sterblichkeit und Kindheitshelden.
Fragwürdige Vorbilder
Wahrscheinlich wird jede neue Generation von Eltern beklagen, in was für einer Welt ihre Kinder aufwachsen müssen und was für ein Mist in der Flimmerkiste läuft. Aber auch wenn es heute viel Grütze in TV und Web gibt, von dem man seinen Nachwuchs am Besten fernhalten sollte, ist völlig klar: So etwas wie „Jackass“ könnte so heute nicht mehr im Fernsehen laufen. Mit welcher Radikalität da drauf gehalten wurde, während sich Bam, Johnny & Co. an eine riesige Rakete geklammert in die Luft schossen oder aus einer Limousine voller Bienen entkommen mussten, grenzt heute an Absurdität. Aber mit Absurdität kommt eben oft auch bahnbrechender Erfolg und Popularität. Tausende von Kids jenseits und diesseits des Atlantiks mühten sich redlichst darin ab, ihren großen Idolen aus „Jackass“ nachzueifern. Immer höher, immer weiter, dümmer, lustiger, extremer. Zu diesen jugendlichen Halbstarken gehörte auch Grim104.
„Wenn ein Stunt nicht klappt, gibt Hades uns zurück“
Mit blutverschmiertem Gesicht grinst er uns von einem alten Foto an, das das Cover zur neuen Single des Wahlberliners ziert. Dieser Grim104 ist ein Relikt aus einer anderen Zeit: „Als ich elf war, war klar ich geh nicht aufs Gym, ich geh nur auf Real / Aber dafür war da die Schule um eins schon zu Ende und MTV für mich da“. In den dreieinhalb Minuten beweist sich Grim, der sonst auch an der Seite von Testo im gemeinsamen Duo Zugezogen Maskulin zu hören ist, einmal mehr als begnadeter Storyteller. Mit manischem Eifer lässt der Rapper körnige Camcorder-Bilder vor dem inneren Auge entstehen: „Unverwundbar, zünd mal was an, spring da runter / Fahr mit D-Böllern los an die Stelle wo gestern ein toter Hund lag“.
Zwischen damals und heute liegt ein halbes Leben. Was sich geändert hat, ist vielleicht vor allem das Wissen um die eigene Sterblichkeit. Wo der jugendliche Grim104 noch herausfordernd „Und wenn ein Stunt nicht klappt, gibt Hades uns zurück“ rappt, ist der Zweiunddreißig-jährige aus der zweiten Strophe um einiges reifer. Vom Leben gezeichnet, sagt man dazu vielleicht. Was nach all den Jahren bleibt, ist eine Faszination für die Unsterblichkeit, für Leben und Tod und den diffusen Raum dazwischen.
„What up grim104 from Germany!“
Um nicht auf einem völlig morbiden Ton zu enden, zum Schluss noch ein sweeter Funfact. Als Teaser für die neue Single hat Grim es nämlich tatsächlich geschafft, ein kleines Shoutout vom legendären Bam Margera himself zu organisieren. Wenn das mal kein „Full Circle“-Moment ist!
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