Jassin kündigt mit „Arsenalplatz“ sein gleichnamiges Debütalbum an
Es gibt diese Orte, die uns zu dem gemacht haben, was wir sind. BHZ singen vom „winterfeldtplatz“, Sufjan Stevens über „Chicago“ und Lorde über den „Tennis Court“. Für Jassin ist es der „Arsenalplatz“ in seiner Heimat Lutherstadt Wittenberg. Diesem widmet er nicht nur seine neuste Single, sondern kündigt unter diesem Namen auch sein Debütalbum an.
„Arsenalplatz“ beginnt mit simplen Synths und Jassins flüsternder, zerbrechlicher Stimme. Mit der zweiten Strophe geht die Melodie aber auf und steigert sich ohne zu zögern in der Wut und Verzweiflung. Und dabei stellt er sich die Fragen, die man sich mit Anfang 20 so stellt, die man sich nie aufhören sollte zu stellen. Weil man vorher vielleicht zu jung war, als dass man sich diese pure Ehrlichkeit zugetraut hat und später die Relevanz der Antworten verdrängt hat. „Wie soll ich auf und wieder zu machen können? / Sag mir, wie kannst du das? / Wie können Menschen immer tun, als wären sie alles nur kein Kind? / Warum wollen alle aus sich machen, was sie doch sowieso schon sind?“.
Es geht darum, sich zu verlieren
Dabei sorgt Jassin mit seiner verletzlichen Direktheit für nostalgische Gänsehautmomente: Release nach Release für einen neuen Lieblingssong sorgend, der von dem spricht, für das man selbst nicht die Worte findet. Nicht ohne Grund berührt Jassin mit Songs wie „Bitte sei vorsichtig“ so viele Menschen. Als hätte er ein Rezept gefunden, mit dem er die Zerstörwut und Sentimentalität der Jugend einfängt. Mit ergreifend-radikalen Lines wie „Und ich sag‘ meinem Therapeuten, geht nicht darum sich zu finden, geht darum sich zu verlier’n“, hat Jassin schon bei seinen diversen Festivalauftritten über den Sommer dafür gesorgt, dass man erstmal tief durchatmen muss.
„Arsenalplatz“ wurde von Philipp Steinke und Stoopid Lou produziert und erinnert in seiner Machart an „There Will Be Tears“ von Frank Oceans Debütveröffentlichung „Nostalgia, Ultra“. Und als hätte der aus der Musikszene verschollene Rapper es prophezeit, können auch bei Jassins Songs die Augen nicht trocken bleiben. Am 29. November hat das Warten dann endlich ein Ende, wenn das Debütalbum des Wittenberger Musikers erscheint. Ein Album auf dem man vermutlich einer ganzen Reihe berührender Momente, voller Melancholie, Wut und Hoffnung begegnet. Egal ob am Arsenalplatz oder anderswo.
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