Jorja Smith ringt in „Addicted” um Aufmerksamkeit
Jorja Smith ist in den letzten Jahren ein Name geworden, den man im Musikkontext kaum mehr erklären muss. Die britische Singer-Songwriterin erzielte bereits erste Erfolge mit ihren früheren Singles und spätestens seit dem Grammy-nominierten Debütalbum „Lost & Found“ (2018) ist sie in aller Munde.
Mit „Addicted“ erscheint nun der erste eigenen Song seit ihrer sozialkritischen Single „By Any Means“ des letzten Jahres. Thematisch behandelt sie diesmal das Gefühl der unerwiderten oder nicht ausreichenden Liebe in einer Beziehung. „The hardest thing / You are not addicted to me / I’m the only thing you should need / You should be addicted to me”, singt Jorja im Refrain mit ihrer sanften und zugleich sehr emotional aufgeladenen Stimme zu einem organischen R&B Beat.
Mit dem Songtitel offenbart sie jedoch auch eine weitere Ebene, die im Text klar wird. Zwischen beiden Personen befindet sich nicht nur Distanz, sondern auch eine Substanz, welche die beiden immer weiter auseinander triften lässt, aber doch zusammenhält. Während der Bruder sich Sorgen macht, ist Jorja zu selbstlos, um zu gehen und wünscht sich toxischerweise doch eigentlich nur selbst die einzige Droge im Leben der anderen Person zu sein.
Wer auf thematischer Ebene keine Identifikationspunkte findet, kann dies spätestens beim Musikvideo. Sie befindet sich nämlich in einer Situation die wir alle mittlerweile sehr gut kennen, zu Hause vor der Webcam. Im Laufe der Pandemie gab es einige gute „Homeoffice-Videos“ und da reiht sich „Addicted“ nahtlos ein. Gemeinsam mit Savannah Leaf übernahm Jorja Smith die Regie und performt dabei den Song in verschiedenen Situationen. „Das Video besteht aus mehreren Versionen von mir, wie ich den Song singe. Ich hatte Spaß daran, mich zu verkleiden, mich nicht zu ernst zu nehmen und mir einfach mehr Freiheit zu geben.“, meint die Sängerin über das Musikvideo, bzw. den längsten Videocall ihres Lebens.
Gerade einige Sequenzen im Video zeigen den Drang nach Aufmerksamkeit sehr gut, den auch viele Hörer:innnen mittlerweile nachvollziehen könnten. Denn gerade in Zeiten einer globalen Pandemie, wo Isolation als die wichtigste Priorität gilt ist dieser digitale Kampf nochmal auf einer ganz anderen Ebene nachfühlbar.
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