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K.I.Z singen für den „Frieden“

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„Na klar sind wir für Frieden, aber erst müssen wir gewinnen“ – schon in dieser Line steckt so viel drin. Vor allem, wenn sie nach der Strophe kommt, in der Tarek rappt: „Jan ist Patriot und Fabian ist woke / Ist egal, denn hier im Schützengraben sind wir alle Bros, ey / Ja, ich sitz‘ im Panzer, ja, ich rolle tief / Blaka, blaka, blaka macht die Artillerie / Bruder, wir retten Europa und du Pussy gehst zur Seite / Auf deiner krassen Antikriegsdemo war’n drei Leute / Lena ist die beste Scharfschützin ihrer Einheit / Geballte Frauenpower, Boomer werden weggesnipert.“ Eine politische korrekte Militäreinheit auf dem Weg zu Sieg – für den Frieden, versteht sich.

Die neue Single von K.I.Z macht deutlich, was man schon nach „Görlitzer Park“ vermutet hatte: Der Pimmelwitz-Faktor, der gepflegte rückwärts im Salto gesprungene und zweimal im Kreuz ironisch gebrochene Tabubruch und die Rap-Klischee-Zertrümmerungswitze machen anscheinend mal kurz Pause. K.I.Z haben was zu sagen. Hatten sie ja schon immer, aber offenbar haben sie sich vorgenommen, ihre Haltung in naher Zukunft etwas direkter zu servieren. Auch, wenn sie bei dieser Einschätzung vermutlich kotzen werden. Aber in Zeiten, wo viele Deutsche wieder offen das Nazi-Fan-Sein entdecken, die schon immer auf der ganzen Welt ausbrechenden Kriege näher ans ach so sichere Europa rankommen und die viel zitierte, aber eben ganz treffende „Schere zwischen Arm und Reich“ immer weiter aufgeht, ist das vielleicht auch keine schlechte Idee.

„Mixed feelings“ für die NATO

Ganz eindeutig und belehrend politisch werden K.I.Z natürlich auch in „Frieden“ nicht. Das merkt man ja schon an der zitierten Strophe. Im Grunde setzen der Song und das brillante Video auf die hirnfickende Tatsache, dass viele Kriege in Namen des Friedens geführt werden. Dass sich Kinder schon früh mit Plastikmaschinengewehren und anderen Waffen durch den Sandkasten kämpfen. Dass von der US-Army unterstützte Hollywood-Blockbuster das Bild des toughen, guten Soldaten zeigen (der natürlich nur die Bösen abknallt) während dabei die tollsten neuen Drohnen- und Kampfjet-Modelle pornös im Sonnenuntergang inszeniert werden. Dass in ihren Augen auch die NATO, die ja sogar „Friedenstruppen“ schickt, zumindest bei Maxim „mixed feelings“ auslöst. Der rappt im Intro: „Unterricht fällt aus in der ganzen Schule / 9/11, Schweigeminute / Und ich rechne aus: Wie viel Minuten wären / Das für eine Million Ruandesen / Und ’ne Million tote Irakis nur durch das Embargo?“

Bunte Waffen für Kids ab 6 Jahren

Am Ende des Videos retten sich die Drei dann aber doch wieder mit ihrer gewohnten Rolle. Tarek gibt den grinsenden Mephistopheles, der die Krieg-spielenden Kids zum Sieg führen wird, während Nico und Maxim zähnefletschend in die Kamera ballern. Im Hintergrund dabei: Das komplette, furchteinflößende Arsenal, das man bei Smyths Toys & Co. für „Kinder ab 6 Jahre“ kaufen kann – von der „NERF Elite 2.0 Double Punch – motorisiert Blaster mit 50 Darts“ bis hin zum „X-Shot Excel Crusher Blaster mit 48 Darts“.

Was bleibt also unterm Strich als Message? Vielleicht die Erkenntnis: Krieg ist ein abgefuckter Wahnsinn. Das wird man einem paranoiden Putin auch nicht beibringen können, aber zumindest denkt man als Hörer:in mal wieder über Pazifismus nach. Der ja die beste Idee wäre, wenn bloß alle mitmachen würden…

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