Emotionale Entfremdung durch digitale Kommunikation: Kynda Gray und Rin übertragen „Ayo Technology“ in die heutige Zeit
Im Dunstkreis von Sierra Kidds „Team Fuck Sleep“ präsentierte sich Kynda Gray 2017 erstmals der breiten Öffentlichkeit, nachdem er 2014 seinen ersten und einzigen JBB-Auftritt hatte und erste Projekte auf Soundcloud hochlud. Mit „Backyard Story“ und „Sundays“ lieferte er 2017 dann gleich zwei vollständige Alben ab, auf denen er einen atmosphärischen Sound präsentiert, der sich irgendwo zwischen Frank Ocean und dem frühen James Blake bewegt. Dann hörte man länger nichts vom Talent aus der norddeutschen Provinz, bis vor anderthalb Jahren das Düsseldorfer Label „Division“ Kynda Gray als ihr zweites Signing nach Platin-Rapper Rin ankündigte. Was für viele sehr überraschend kam und auf Unverständis traf, erwies sich Mitte April als absoluter Glücksgriff. Denn: Kynda Gray schaltete mit seiner Single „Dirty Chucks“ direkt in den sechsten Gang und ließ die Kritiker verstummen. Auch mit dem darauffolgenden düsteren Song „Demons“ beweist er sein Gespür für progressive Melodien und macht kein Geheimnis um Schlafstörungen und innere Dämonen. Mit der dritten Single kommt nun endlich das, worauf alle gewartet haben: eine Zusammenarbeit von Rin und Kynda Gray. Für „Ayo Technology“ hat Produzent Alexis Troy dem gleichnamigen Klassiker von 50 Cent, Justin Timberlake und Timbaland aus dem Jahr 2007 einen modernen Anstrich verpasst: Reggaeton-Beats in Uptempo-Taktung geben den Rhythmus vor, während sublim gezupfte Gitarrensaiten und zuckende Synthie-Bleeps für melancholische Vibes sorgen. Der Song handelt von unserer technologisierten Welt – nicht als Segen, sondern als Fluch unserer Generation, was auch im Musikvideo zu sehen ist. Die beiden Rapper bewegen sich durch eine teils reale, teils animierte futuristische Großstadt bei Nacht und sind sichtlich gezeichnet von der Welt, die man nur noch über Bildschirme wahrnimmt. „Die Elektronik illegal / Du bist in dei’m Elektro-Ghetto / Projizierung wie im CinemaxX / Mische Hunger mit dem Testo“ rappt Rin in seinem Part und thematisiert emotionale Entfremdung trotz unzähliger digitaler Kontaktmöglichkeiten. Kynda Gray bringt es dann in der Hook auf den Punkt: „Ich fühl‘ dich nicht durch mein Phone / Ayo Technology, du bist heut‘ on your own“.
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