lovehead holen sich mit „lieder für mich“ ihre Lieder zurück
Es gibt vielleicht nichts Heilsameres nach einem Breakup als das, was Lovehead mit „lieder für mich“ geschaffen haben: Sich als Musikerinnen zusammentun, durch wütende Lyrics abgrenzen und befreien und dann noch alle Emotionen rausschreien. Nichts soll mehr an die andere Person erinnern. Die Lieblingslieder sind eben „lieder für mich“ und nicht für den oder die Ex.
Lovehead: Feministischer Indie-Rock
Bereits die beiden vorausgegangen Singles machen deutlich: Lovehead sollte man auf jeden Fall auf dem Schirm haben. Während man bei dem rockigen „denkst du an mich?“ eine Runde im Gedankenkarusell mitfährt, führt bei dem frechen Indie-Pop-Hit „erdnussallergie“ kein Weg an einem Ohrwurm vorbei. Mit „lieder für mich“ aber katapultieren uns Lovehead nochmal in ein anderes Universum. Schon wie Sängerin Leni am Anfang des Songs das Wort „Haut“ ins Mikrofon haucht, ist vielversprechend. Spätestens jedoch bei Einsetzen der E-Gitarre im Refrain kann man sich eigentlich nicht mehr ohne Headbangen und Luftgitarre durch den Raum bewegen. Und dabei kommen die gewohnt trotzigen Lyrics auch nicht zu kurz: „Wettstreit wer das bessere Leben hat / Ich weiß nicht, ob du bei dem Rennen überhaupt mitmachst“. Mic Drop!
Wie schon „erdnussallergie“ wurde „lieder für mich“ von FAZO666FAZO produziert. Im zugehörigen Musikvideo spielt das Trio aus dem österreichischen Burgenland den Song zunächst einer Gruppe von verliebt schauenden Männern vor und dreht damit das Narrativ von weiblichen Groupies männlicher Rockbands einfach um. Dann holen sie sich bei ihrem Konzert ihre „lieder für mich“ schließlich zurück. Das Anhimmeln der Typen und Abrocken der Fans beim Konzert geschieht zu Recht. Die Indie-Rock Newcomerinnen Anna, Mara und Leni sind wohl der wahr gewordene Traum eines jeden kleinen Mädchens. Sie machen jedenfalls die Musik, die man mit 13 schon gebraucht hätte. Rebellische Lyrics, keine großartige Überproduktion, einfach nur Schlagzeug, Gitarre und Bass. Indie-Rock, der die deutschsprachige Musikszene aufweckt.
Wenn man diese Grunge-Gitarre hört, kann man sich nur wundern, warum Festival Line-Ups immer noch von männlichen Artists dominiert sind. Wer kann sich nicht vorstellen wie wunderbar befreiend der „ich hoff‘ kein Lied erinnert dich an mich an mich an mich“-Schreimoment im Outro des Songs in einem verregneten Festivalset sein könnte, der an den von Phoebe Bridgers am Ende von „I Know The End“ erinnert. Female Rage at its finest.
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