Lugatti & 9ine präsentieren sich auf „Bis hierher“ in Bestform
Wer im Sommer Lugatti und 9ine auf der splash!-Main Stage gesehen hat, war dabei, als das Duo aus Köln sich ein Denkmal gesetzt hat. Kurz danach hat uns Lugatti im Interview erklärt, wie wichtig dieser Moment für ihn war: „Ich träum eh nie wegen Kiffen. Aber wenn ich mal träum, dann träum ich, dass wir auf der splash! Main Stage stehen und das haben wir jetzt erreicht“. Passend zu diesem Meilenstein haben die beiden Rapper am Freitag ihr aktuelles Album veröffentlicht und präsentieren sich auf „Bis hierher“ so stilsicher wie selten zuvor.
Macher-Mindset
Auch wenn Lugatti und 9ine erst vor knapp sechs Jahren die deutsche Rap-Szene geentert haben, haben die beiden Kölner seither einen Output abgeliefert, für den andere eine ganze Karriere brauchen. Zahlreiche gemeinsame Alben, Solo-Tapes und vier Ableger der „Man Kennt Sich“-Compilations mit befreundeten Artists führen zu einer Diskographie, die schon jetzt über zehn (!) Projekte zählt. Die Kinder der Küste haben also zu Genüge geübt und diese Routine hört man den beiden Künstlern auf „Bis hierher“ zu jedem Zeitpunkt an.
Selten klangen Lugatti und 9ine so druckvoll, so tight und souverän. Von der ersten Zeile auf dem gehetzten Opener „Heimspiel“ bis zum melancholischen Indie-Outro „Sorgen“ sitzt jeder Flow und jeder Reim. Zusätzlich gibt sich das eingespielte Duo musikalisch angenehm vielfältig: Da gibt es bösen UK Garage-Bounce vom Hamburger Produzenten Cato auf „Versager“, knisternden Oldschool-Boom-Bap bei „Selbe Ecken“ und „MoneyOnMyMind“, aber auch moderne Einflüsse wie bei „Kein Student“.
Der grummelnde Trap-Beat stammt von Waterboutus, könnte mit seinen psychedelisch wabernden Synthies auch glatt von Yeats Haus-und-Hof-Producer BNYX kommen. Aus ihrem großen Freundeskreis haben Lugatti und 9ine diesmal nur RAPK als Featuregäste dabei, die auf „Roadman“ ihren Beitrag zu einem der melodischeren Momente des Albums beisteuern.
Inhaltlich geht es um die üblichen Themen: Kiffen, saufen, aber auch die ekligen Seiten dieser Laster, auf die in „Rauchfrei“ eingegangen wird. Dazwischen immer wieder klare Kante gegen Rechts, Homophobie und Snitches, und immer wieder auch die Erkenntnis: „Bis hierher“ lief doch alles recht gut. Dann kann Lugatti auch mal selbstbewusst rappen: „Ich hab bald ausgesorgt mit Rappen, du bleibst für immer Lagerist“. Das eigene Haus auf den „Philippinen“ oder zumindest am Rhein scheint dementsprechend gar nicht mehr so weit entfernt zu sein – und so wie Lugatti und 9ine die letzten Jahre geackert haben, würden wir es ihnen nur gönnen.
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