Millenial-Indie-Pop mit Ansage: Das neue Album von The Snuts
Schon seit 2016 veröffentlichen Jack Cochrane, Joe McGillveray, Callum Wilson und Jordan Mackay als The Snuts gemeinsam Songs. Musik machen die Jugendfreunde aus dem schottischen Whitburn sogar schon länger, aber seit Mitte der 2010er erfährt dann auch der Rest der Welt davon. Nach zahlreichen Singles und EPs erscheint das große Debütalbum „W.L.“ dann erst 2021 – und schießt direkt auf Platz 1 der britischen Charts.
Danach zieht das Quartett das Tempo dann ordentlich an: 2022 erscheint bereits der Nachfolger „Burn The Empire“. Auch das zweite Album von The Snuts wird ein Erfolg, trotzdem entscheidet sich die Band kurz danach ihr bisheriges Label Parlophone Records zu verlassen und auf eigenen Füßen zu stehen. Inbegriff davon ist Happy Artist Records – das frisch gegründete, eigene Independent-Label, auf dem nun als erste große Veröffentlichung das neue, dritte Album der vier Freunde erscheint.
„Millenials“ macht seinen Namen zum Programm
Als Erben der Neunziger schauen The Snuts in ihre Kindheit und Jugend um die Jahrtausendwende zurück und verarbeiten dabei all die Erlebnisse, die auf ihren bisherigen Projekten noch keinen Platz gefunden haben. Musikalisch klingt das – passend zum Cover-Artwork mit Regenbogen – ziemlich bunt, aufgedreht und explosiv. Schon der Opener „Gloria“ schmeißt uns direkt ins heiß-kalte Wasser einer Coming-Of-Age-Liebesgeschichte. Ein treibender Song, der seine Energie über zweieinhalb Minuten aufrecht erhält und gekonnt auf die folgenden neun Stücke abstrahlt.
Up-Beat-Euphorie
Überhaupt gibt es auf „Millenials“ wenig Raum für Verschnaufpausen: Bis auf den Closer „Circles“ ist jedes der Stücke in mitreißenden Up-Beat-Gefilden angesiedelt. Die Schlagzeug-Beats stolpern fast vor Aufregung, landen aber immer wieder auf den Punkt genau, die flippigen Gitarren kreischen euphorisch und das Highlight ist wohl sowieso die ziemlich einzigartige Stimme von Sänger und Frontmann Jack Cochrane.Die dreht für jede Hook aufs Neue voll auf und wird dabei oft noch von verspielten Sound-Effekten und Festival-tauglichen Chören begleitet, wie bei „YoYo“. Der Song klingt genau wie das titelgebende Spielzeug und versprüht dabei eine kompromisslose Ausgelassenheit, die auf „Millenials“ immer wieder zurückkommt. Überhaupt schaffen es The Snuts mit ihrem dritten Album gekonnt all die Gefühle zurückzuholen, von denen man manchmal glaubt, man habe sie auf irgendeinem Indie-Festival 2013 liegen gelassen. Schön zu wissen, dass diese Emotionen noch irgendwo in uns schlummern.
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