Mindset Boxer: EN6O schlägt nach Not-OP musikalisch zurück
Wer derzeit ein paar Minuten auf EN6Os Socials verbringt, wird bei den neueren Postings feststellen, dass der Wiener Rapper ordentlich zugerichtet daher kommt. Passenderweise heißt die neue Single dann auch noch „Jake LaMotta (Freestyle)“. Eine Hommage an jene New Yorker Boxlegende, die zwischen 1949 und 1951 Freund und Feind kurz und klein haute. Zumindest im Ring ging es – abgesehen von einigen Mafiawetten – halbwegs geregelt zu. Auf letzteres konnte sich EN6O Mitte Juni leider nicht berufen.
Schon in der ersten Line des Freestyles adressiert EN6O das Problem selbst: „Pu**ys schlagen nur von hinten zu, treten nur von hinten ein“. Gemeint sind hier jene drei unbekannten Täter, die den Rapper Mitte Juni nachts vor einem Wiener Club erst zusammenschlugen. Anschließend wurde auch noch feige nachgetreten. Schwerverletzt musste EN6O notoperiert werden.
EN6O: Zwischen Rap und Rizz
EN6O – auch bekannt unter seinem Pseudonym Handychillen – ist nicht nur Rapper, sondern auch Rizzer. Tagsüber der „skinny Boy in Skinny Jeans“, nachts dann „whatsapp bitcoin Snapchat rap“. Mit Flaschko im Gepäck lässt sich ihr Content irgendwo zwischen y2k, Guilty Pleasure und Cringe verorten. Es gibt zündende Dating-Tipps, geheime Food-Spots wie McDonalds, aber manchmal auch einfach das gute alte Furzkissen.
Auch raptechnisch überträgt sich der Lifestyle natürlich am besten via Soundcloud bis ATL. Es drippt und droppt an allen Stellen, getragen wird Designer oder auch mal Hollister. Der Swag wird also auch Jahre nach Godfather Money Boy noch immer in Vienna aufgedreht. Dass auch BFF Skrt Cobain zum Dunstkreis zählt und Humor, Attitüde sowie Merch-Designs an Yung Hurn erinnern, ist standorttechnisch wenig verwunderlich. Es wurden aber auch neue Brücken nach Deutschland zu Yungpalo, Ski Aggu bis Levin Liam geschlagen. Mit letzterem interpretierten die beiden vor kurzem auch sehr sehenswert die berühmte „McLOVIN“ Szene aus Superbad neu.
Bei all dem Spaß um Tumblrcore, das richtige Mindset und Joggingshosen mit WhatsApp-Branding scheinen diesen Spaß offensichtlich nicht alle zu verstehen. Über die Zwangspause im Spital rappt EN6O: „Ich bin nicht neugebor’n, doch seit Tagen ess‘ ich nur Babybrei / Babybrei, Proteinshakes is‘ alles was ich ess‘ hier drin“. Aber selbst „Fünfundzwanzig Brüche“ konnten ihn nicht brechen. Mit Jake-LaMotta-Mindset leuten die Trompeten auf dem Beat von Casio5k das Comeback ein, den Leberhaken nach dem Uppercut und letztendlich auch das Siegerlächeln nach dem unfairen Fight: „F*ck mit mir, f*ck mit uns, die ganze Stadt ist auf dein Arsch / Ich bin jeden Tag in Designer, aber das nur zum Spaß“. Jetzt denkt EN6O aber wieder an die Zukunft. „Love song wie früher alte zeiten will ich machen, genug mit toxic scheis“, heißt es in seiner Insta-Story.
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