Neue EP von Longus Mongus: Softe Sounds in einer harten Zeit
Das Jahr 2024 war bisher kein leichtes für die Rap-Crew BHZ. Anfang Februar musste das Hip-Hop-Kollektiv einen schweren Schicksalsschlag verkraften, als das Mitglied Pablo Grant aka Dead Dawg im Alter von nur 26 Jahren plötzlich verstarb. Ein Schock für BHZ, die daraufhin ihre kommende Tour und alle Festivaltermine absagen ließen und sich vorerst zurückzogen, um den schweren Verlust zu verarbeiten. Auf diese Phase der Introspektion folgen nun erste, neue Veröffentlichungen wie „Juana“, „bhz“ oder „Jedes Jahr“ in denen die einzelnen Mitglieder auf ihre ganz persönliche Art und Weise Respekt an Dead Dawg zollen.
Zusammenarbeit mit Dauner
Der neueste Release in dieser Reihe stellt nun „Blumengarten“ dar: eine knappe EP aus drei neuen Songs von Longus Mongus. Die gleichnamige Band, mit der der Rapper sogar schon gearbeitet hat, ist zwar nicht mit von der Partie, dafür aber Produzent Dauner aka Moritz. Der talentierte Musiker begleitet Longus Mongus schon lange, hat an allen drei Beats mitgewirkt und singt auf dem Song „Mona Lisa“ sogar. Das Instrumental erinnert an leichtfüßigen Bossa Nova, auf dem Longus Mongus versucht mit quatschigen Denglisch-Lines seinen Crush zu erweichen.
Auf dem Song „Pantalons“ gibt es dann noch ein überraschendes Feature, das über die Bezirksgrenzen von Schöneberg hinausgeht: Longus Mongus wird unterstützt von der Kreuzberger Crew RAPK, die auf so einer soften Synth-Pop-Produktion zwar ungewohnt, aber sehr gut klingen. Ähnlich verträumt klingt auch der Opener „19 Bars“, obwohl Longus Mongus hier teilweise ganz schön angriffslustig vor sich hin Freestyled: „Ich ficke eure Plastikmucke / Fick deinen Gesangsverein / Ich ficke jeden Menschen, der es wagt, sich bei mir einzuschleimen“.
Wenn die Welt aus den Fugen gerät
Dazwischen immer wieder Zeilen, die zeigen, dass der Schmerz für BHZ längst nicht überwunden ist: „Meinem Brudi wuchsen Flügel, er ist jetzt größer als die Welt / Tränen schmecken salzig, schütte sie zurück ins Meer / Irgendwann kommen wir hinterher“. Trotz der entspannten Indie-Pop-Soundwelt, klingt Longus Mongus auf „Blumengarten“ wie ein Künstler im Limbo: Rastlos, scheu, verunsichert davon, dass die eigene Welt aus den Fugen geraten ist.
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