Neue Single „King“: Florence + The Machine und ihr Hofstaat
Überirdisch, diabolisch, über allem schwebend: So zeigt sich Florence + The Machine im Video zu ihrem neuen Song „King“. Wie eine Marienerscheinung taucht sie nach wenigen Sekunden im Clip auf, mit einem Hauchen, das klingt, als käme es direkt aus der Arktis geweht. Der junge, mit dem Leben hadernde Mann, den wir anfangs sehen, muss sich schon bald ihren magischen Kräften ergeben. Und sich vom Leben verabschieden: Mit einem lauten Knacken bricht Florence ihm das Genick.
Das alles ist nur der Auftakt einer wundervollen, gruseligen Inszenierung, die neben Referenzen an das Christentum und an alte Hexengeschichten auch an die moderne, feministische Horror-Literatur von Autorinnen wie Mariana Enriquez denken lässt. Auch die Lyrics von Florence sprechen eine klare Sprache. Es geht um Rollenbilder, die sie nicht erfüllen will, Erwartungen, die sie abschütteln wird. Im Song heißt es: „We argue in the kitchen about whether to have children/ About the world ending and the scale of my ambition/ I am no mother, I am no bride, I am king.” Und genau so zeigt sie sich auch und lässt ihren Hofstaat und ihre Opfer wie Handpuppen tanzen.
Dieses Szenario ist natürlich herrlich überspitzt. Aber die Idee hinter dem Song fußt auf Sorgen und Gedanken, die Florence auch jenseits von ihrer Rolle in der Öffentlichkeit einholen: “As an artist, I never actually thought about my gender that much. I just got on with it. I was as good as the men and I just went out there and matched them every time. But now, thinking about being a woman in my 30s and the future… I suddenly feel this tearing of my identity and my desires. That to be a performer, but also to want a family might not be as simple for me as it is for my male counterparts. I had modelled myself almost exclusively on male performers, and for the first time I felt a wall come down between me and my idols as I have to make decisions they did not.”
Florence + The Machine – King
Florence Welche hatte den Song schon zuvor mit diversen Billboards angeteasert, die zum Beispiel in London auftauchten. Zeitgleich erhielten Fans Briefe von ihr: Ein kunstvoll versiegelter Umschlag, der ein „Chapter 1“ ankündigt, und eine mittelalterlich anmutende Karte mit dem Motiv des Billboards und dem Wort „KING“. Die Musik ist classic Florence: Großer Pop, der aber diesmal trotz der Grandezza und der Wucht ihre Stimme bisweilen roh wirkt. Selbst wenn sich der Song am Ende mit Streichern und Gitarren sein großes Finale anläutet, ist da so ein kaltes Brummen, das deutlich macht, dass diese Künstlerin niemals Feelgood-Pop abliefern wird.
Der Song dürfte der Vorbote zu einem neuen Album und dem Nachfolger des 2018er-Werks „High As Hope“ sein. Fans spekulieren, dass es, wie die Schrift auf dem Umschlag, „Chapter 1“ heißen könnte und 15 Songs enthält – da auf ihrer Website insgesamt 15 Karten zu sehen sind, von denen „King“ nun als erstes umgedreht oder ausgespielt wurde.
Das neue DIFFUS Print-Magazin
Titelstory: Ikkimel
Auch im Heft: Noah Kahan, Baran Kok, Josi, Robyn, Philine Sonny und Apsilon.
Dazu große Reportagen über die Vaporwave-Szene in Deutschland, die extreme Metal-Szene in Subsahara-Afrika oder das Rap-Projekt „HaftBars“ in einer Berliner Jugendstrafanstalt.