Neues Album von Genesis Owusu: Post-Punk-Rap aus Kakerlaken-Perspektive
Genesis Owusu ist Punk-Rocker, Rapper, Poet und laut seiner Spotify-Bio selbsterklärter „Anti-hero“ aus Australien. Der kleinste Kontinent der Erde ist ja bekanntermaßen sowieso die Heimat außergewöhnlich vieler außergewöhnlich guter Musiker:innen – so zum Beispiel auch von Tame Impala, die Genesis Owusu im letzten Jahr mit auf Tour nahm. Aber auch jenseits der eigenen Insel ist der Musiker längst bekannt: 2021 landete er in Barack Obamas heiß diskutierten Lieblingssongs, sein Song „Get Inspired“ schaffte es außedem in diverse Werbespots. Eine hervorragende Startrampe für das neue Album „Struggler“, das am letzten Freitag als Nachfolger zum Debüt „Smiling with No Teeth“ erschien.
Optimismus trotz Struggle
Wie der Titel schon ankündigt, beschäftigt sich Genesis Owusu auf seiner zweiten Platte mit dem alltäglichen Abstrampeln im Hamsterrad der menschlichen Existenz. Das klingt erstmal ernüchternd, ist aber durchaus positiv zu verstehen: „Trotz Pandemien, Buschbränden und Kriegen werden wir immer noch einen Weg finden, es bis morgen zu schaffen, und das finde ich großartig.“ Der passende Protagonist für Genesis’ Botschaft ist eine Kakerlake – denn auch die ist irgendwie unkaputtbar.
Der Sound dazu klingt nach einem wilden, aber stimmigen Genremix: (Post-)Punk, New Wave, Hip-Hop, Funk und sogar Soul. Da gibt es auch mal einen durch und durch harmonischen Cut wie „See Ya There“, auf dem uns Genesis mit seiner butterweichen Kopfstimme umschmeichelt, aber meistens wechseln sich all diese Sounds und Stimmungen innerhalb von ein und demselben Song ab. Das klingt dann irgendwie, als hätten Idles, Viagra Boys, Childish Gambino und Slowthai gemeinsam ein Kind gezeugt – bizarr, aber auch ziemlich großartig.
Dass sich dann Marken wie Apple die Musik von Genesis Owusu für ihre Fitness-Werbung einkaufen, ist im ersten Moment vielleicht empörend für antikapitalistische Punk-Heads, im nächsten Moment aber durchaus verständlich: Dieser Musiker schafft es Energie und Antrieb zu vermitteln, wie wenige andere zurzeit.
Das neue DIFFUS Print-Magazin
Titelstory: Ikkimel
Auch im Heft: Noah Kahan, Baran Kok, Josi, Robyn, Philine Sonny und Apsilon.
Dazu große Reportagen über die Vaporwave-Szene in Deutschland, die extreme Metal-Szene in Subsahara-Afrika oder das Rap-Projekt „HaftBars“ in einer Berliner Jugendstrafanstalt.