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Nikan bringt den UK-Sound nach Düsseldorf

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Großbritannien gibt den Ton vor

Im Rap-Game kommen viele Trends traditionsgemäß aus den Vereinigten Staaten. Das ist nicht weiter verwunderlich, von dort stammt diese Musik und dort hat sie ihren wohl größten Markt. Aber immer wieder mal schleichen sich auch andere Länder und Kulturen an, die mitmischen und den aktuellen Zeitgeist mitbestimmen wollen. Nach dem großen Hype um französische Rapper wie PNL oder MHD fiel diese Rolle in den letzten Jahren vermehrt Großbritannien zu. Grime, Drill, Garage und DnB – die Musiklandschaft des Inselkönigreichs ist vielfältig und wird hierzulande gerade von vielen Rapper:innen entdeckt. 

Ein Knicks tut nicht weh

Einer, der britischen Rap verinnerlicht hat wie kaum ein zweiter ist Nikan. In nahezu jedem Song findet der Newcomer aus Düsseldorf die Zeit, um sich mit einer kleinen Zeile vor seinen großen Idolen zu verneigen: Skepta und sein Bruder JME, Dave und J Hus, Headie One und AJ Tracey. Nikan macht keinen Hehl daraus, wer ihn inspiriert, kopiert den Sound seiner Vorbilder aber zu keinem Zeitpunkt, sondern nutzt ihn als kreativen Input für seinen eigenen Style. Dieser ist schon auf frühen Veröffentlichungen wie dem „Kavir Tape“ von 2020 erstaunlich klar erkennbar. Nur die wenigsten der sechs Songs der EP überschreiten hier die 2-Minuten-Laufzeit. Klar und präzise rappt sich Nikan mit seiner charakteristischen heiseren durch seinen Kleiderschrank von „Prada“ bis „Trackpants“.

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DJ Stickle oder König Midas?

Den UK-Bezug hört man damals eher zwischen den Zeilen heraus. Bei den folgenden Veröffentlichungen ändert sich das schnell. „Jorja“ kommt mit leichtfüßigem 2-Step-Bounce, bevor dann das Jahr 2021 und der Song „Shorty klickt“ endgültig eine neue Ära für Nikan einläuten. Denn „Shorty klickt“ markiert die erste Zusammenarbeit zwischen dem Newcomer und Produzent Stickle, der ihn im selben Zug auf seinem frisch gegründeten Label NOV11 unter Vertrag nimmt. Stickle weiß wie man Hits macht und hat einen ganzen Katalog an Referenzen, die das beweisen. „Airwaves“ und „Sommergewitter“ von Pashanim gingen durch seine Hände, genauso „200 km/h“ von Apache207 oder der Großteil von Yung Hurns „1220“-Album. Seinen „Midas Touch“ leiht er nun also auch Nikan, gemeinsam entsteht mit „Shorty klickt“ ein frostiges Grime-Brett, das statt in den kalten März 2021 auch auf Skeptas „Konnichiwa“ von 2016 passen würde. 

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Nikan hat einen Riecher für Trends

Mit der neuen Label-Heimat November Eleven werden auch die Videos von Nikan aufgewertet und untermalen die Ästhetik des Newcomers immer besser. In „Shorty klickt“ präsentiert er sich mit seiner Crew, allesamt in Funktionskleidung von Arcteryx und Daunenjacken von The Northface, denen sogar der nächste Song gewidmet wird. Nikan hat ein verdammt guten Riecher, wenn es darum geht was heute und morgen angesagt ist und verbaut diese Themen gerne in seinen Songs. In dieser Hinsicht ähnelt er vielleicht ein wenig Rin oder Pashanim: Er hangelt sich in seinen Flows von einem griffigen Stichwort zum nächsten, Markennamen folgen auf Lieblingskünstler:innen und Einblicke in seinen Lifestyle mit der Clique. Dieser „Hashtag-Rap“ kann auf Dauer eintönig werden, aber Nikan hat noch jede Menge Zeit, an seinem Stil zu feilen.

„Shorty klickt“ und „Northface“ landen mit einigen anderen Singles auf der EP „all in // plan a“. Immer mehr kristallisiert sich heraus, wo Nikan mit seinem Sound hinwill: Die Einflüsse aus dem britischen Grime fließen ganz natürlich zusammen mit amerikanischem Trap-Sound und zeitgenössischem Deutschrap zusammen.

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Breakbeats und Klarna-Mahnungen

Der Start ins Jahr 2022 fällt dann doch etwas überraschend aus. „Chelsea 2009“ kommt mit Produktion von Alexis Troy und britischen Breakbeats à la Four Tet. Auf diesem Untergrund bewegt sich der Nikan selbstsicher und unverkrampft mit Einblicken in seinen Alltag und seine Playlist: „Ich wart’ auf Post von DHL / In den Asics bin ich schnell / Früher Converse CDG / Ich sterb’ für Bitches, Baby Keem / Ja, mein Logo von Marseille / Klarna-Mahnung und ich pay / Viele weg, ist schon okay“. In Zeilen wie dieser schwingt eine gewisse Sorglosigkeit mit, die an Pashanims „Airwaves“ erinnert und nicht weniger das Zeug hat, „Chelsea 2009“ zu einem frühen Sommerhit zu machen.

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Auf „Chelsea 2009“ folgt der aufgekratzte Grime-Banger „Link Up“ und dann am vergangenen Freitag eine EP, die mit den mysteriösen Koordinaten „N35 O51“ betitelt ist. Aus seinem Düsseldorfer Umfeld hat Nikan hier seine Homies Malik und Ian dabei, die passenderweise auf dem Song „Mob“ gefeatured sind. Dann gibt es da noch die verträumte Ode an eine Angebetete in „Evisu“-Jeans, auf der Badchieff mit einem Part vertreten ist, und den Titeltrack, der von zwei verschiedenen Beats aufgeteilt wird.

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Bisher ist Nikans inhaltlicher Kosmos noch recht überschaubar: Mode und Musik, Brudis und Shorties. Aber wenn man sich daran nicht stört oder sich vielleicht sogar genau damit identifizieren kann, hat man hier einen Newcomer vor sich, der vieles anders macht als Szene-Kolleg:innen. Wie ein Katalysator bündelt Nikan die Dinge, die er liebt, in seiner Musik und formt daraus etwas eigenes – Deutschrap meets UK oder eben einfach Nikan.

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