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Parkway Drive im Interview: „Wir sehen aus wie fröhliche Surferboys, aber wir mögen brutale Musik“

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Man könnte ein kleines Saufspiel mit diesem Interview machen: Immer, wenn Winston McCall von Parkway Drive das Wort „dark“ sagt, gibt’s einen Lakritz-Schnaps. Man wäre spätestens am Ende des Features reichlich angeschickert. Dass dieses Wort so häufig fällt, liegt jedoch in der Natur der Sache. Die australische Metalcore-Band – deren Hits „Prey“ und „Carrion“ auch weit über das Genre hinaus ein Publikum gefunden haben – widmet sich auf ihrem neuen Album den dunklen Gedanken, die einem so kommen können, wenn die Welt erst durch eine Pandemie gelähmt ist und dann, als die Situation so langsam besser zu werden scheint, plötzlich noch viel beschissener wird – mit krassen Waldbränden und Überschwemmungen in Parkway Drives Heimatland, einem Krieg in unserer Nachbarschaft, der die gesamte Weltordnung betrifft und einer Inflation, die gerade das Leben mit wenig Geld noch schwieriger macht.

„Wir haben schon immer brutale, melancholische, atmosphärische Musik geliebt – und gemacht.“

Winston McCall, Hauptsongwriter und Sänger von Parkway Drive, sagt gleich zu Beginn unseres Interviews: „Wir mögen zwar aussehen wie glückliche Surfer Boys und manchmal sind wir das auch, aber wir haben schon immer brutale, melancholische, atmosphärische Musik geliebt – und gemacht.“ Winston habe viele Songs in der Nacht geschrieben, inmitten einer Pandemie, die sich in manchen Nächten wie die Apokalypse anfühlte. „And the night gets darker still“, ist eine Schlüsselzeile aus dem Titelstück des Albums. Sie wird auch musikalisch aufgegriffen. Akustikgitarren und „Nothing Else Matters“-Vibes inklusive Streicher machen einen Großteil des Songs aus, bis Parkway Drive dann zum lärmenden Befreiungsschlag ansetzen in der zweiten Songhälfte, die Gitarren heulen lassen, einen Chor auffahren, Winston „darker still!!!“ brüllt und die gesamte Band einstimmt.

Das Konzept der „dark night oft he soul“

Winston erklärt: „Der Song und das Album widmen sich dem Konzept der ‚dark night of the soul‘.“ Dieser vor allem im Englischen verwendete Begriff entstammt einem namenlosen Gedicht aus dem 16. Jahrhundert, das der Karmeliter, Kirchenlehrer und Mystiker Johannes vom Kreuz, im Englischen St. John of the Cross, geschrieben hat. Im ursprünglichen Sinne beschreibt es die Reise der Seele zur mystischen Vereinigung mit Gott. Im zeitgenössischen Kontext wird die Metapher ein wenig anders verwendet. „Es geht um einen Moment in deinem Leben, in dem alles, was dich ausgemacht und was du geliebt hast, zerstört wird“, sagt Winston. „Ein Punkt, an dem du nur aufgeben kannst, oder damit beginnen musst, dich selbst, deinen Antrieb und deinen Platz in der Welt neu zu finden.“

Im Pop-Kontext wurde der der Begriff vor allem bekannt, weil es ein wundervolles Album vom Produzenten Danger Mouse und dem leider verstorbenen Songwriter Mark Linkous alias Sparklehorse gibt – ein dunkler Allstar-Sampler, auf dem einige tolle Gastsänger:innen vertreten sind: Suzanne Vega, Vic Chesnut, Iggy Pop, Black Francis, Julian Casablancas und Cardigans-Sängerin Nina Persson zum Beispiel. Winston war sehr glücklich darüber, dass die Band sich auf das Konzept eingelassen hat: „Als ich es ihnen vorgestellt habe und meinte, das sei die Richtung, in die ich schreiben will – also straight in die Dunkelheit –, sagten sie: ‚Yep! Cool.‘ Ich war sehr erleichtert darüber – dass sie wie ich in so dunklen Zeiten noch tiefer hinein wollten in die Dunkelheit.“ Um dann mit ihrer Musik wieder herauszufinden …

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