Phoenix borgen sich für ihre neue Single Ezra Koenig von Vampire Weekend – Album angekündigt
Phoenix sind eine Proberaum-Band, eine der alten Schule. Musik entsteht hier beim Beisammensein in den selben vier Wänden, durch Ausprobieren und gegenseitige Inspiration. Zum Beginn der Pandemie war all das nicht gegeben und so war es dann umso besonderer, als sich Frankreichs wichtigste Synth-Pop-Band endlich wieder zusammenfand – und zwar ausgerechnet in den Eingeweiden des Louvres in Paris.
Kunst machen inmitten von Kunstsachen
Hier, wenige Türen und Gänge entfernt von den wichtigsten Exponaten der europäischen Kunstgeschichte, werkelt die Band an ihrem neuen Album. Es ist das erste seit 2017 und hat nun endlich einen Namen und ein Releasedatum: „Alpha Zulu“ erscheint am 4. November 2022. Die Arbeiten dafür liefen auf Hochtouren, beflügelt von ihrem ungewöhnlichen Proberaum im Musée des Arts Décoratifs und den Ausstellungsstücken, die ihnen begegneten, wenn sie in das Innenleben des Museums abtauchten.
Dalís neue Nachbarn
Kein Wunder also, dass das Cover der letzten Single, der Titeltrack „Alpha Zulu“, von antiken Gesichtern geziert wird, die in einer strahlendes, futuristisches Objekt starren. Vergangenheit und Zukunft bedingen sich und sind in ständigem Austausch, spätestens, wenn Phoenix ein paar Meter neben Dalí und Napoleon ihre Synthesizer anwerfen. Die Verortung im unterirdischen Herzen von Paris ist also nicht ganz unwesentlich, wenn es um die neue Musik von Phoenix geht. Die nächste Single „Tonight“ hat allerdings noch einen zweiten Schauplatz: Tokyo.
Hoher Besuch
Für den zweiten Vorgeschmack zum kommenden Album holen sich Phoenix keinen geringeren als Ezra Koenig, den Sänger und Frontmann amerikanischen Indie-Band Vampire Weekend, an Bord. Der streift im Musikvideo zu „Tonight“ durch die Gassen und Parks von Tokyo, während Phoenix-Sänger Thomas Mars mit seinen Bandkollegen in Paris unterwegs ist. Was an beiden Orten passiert, sehen wir gleichzeitig auf einem Split-Screen. Dabei wird ganz bewusst mit bildlichen Gemeinsamkeiten und Unterschieden gespielt, um die Zuschauer:innen hinters Licht zu führen. So sehen wir zum Beispiel Koenig und Mars jeweils im Taxi und im Studio und warten ständig darauf, wann die beiden Aufnahmen denn nun zusammen führen.
Dazu kommt es im Video nie, aber musikalisch liegt hier auf jeden Fall ein Match vor. Als wäre Ezra Koenig schon immer Teil der Band gewesen, fügt sich sein Gesang in den heiteren Synth-Pop von Phoenix ein, dem man die fünf Jahre Pause so gar nicht anhört. Fast möchte man traurig sein, dass sich die Wege nur für diese eine Single überkreuzt haben, nichts destotrotz sind wir gespannt, was Phoenix uns im November mit „Alpha Zulu“ kredenzen.
Das neue DIFFUS Print-Magazin
Titelstory: Ikkimel
Auch im Heft: Noah Kahan, Baran Kok, Josi, Robyn, Philine Sonny und Apsilon.
Dazu große Reportagen über die Vaporwave-Szene in Deutschland, die extreme Metal-Szene in Subsahara-Afrika oder das Rap-Projekt „HaftBars“ in einer Berliner Jugendstrafanstalt.